Schlaf und Müdigkeit bei Tieren_hund

Winterschlaf und frühjahrsmüde – Müdigkeit und Schlaf bei Tieren

Wie viel Schlaf brauchen unsere Tiere? Und bekommen sie den auch? Was ist normal, was pathologisch? Und wie kann man ihnen helfen? Diesen Fragen geht Claudia Götz für Hunde-, Katzen- und Pferdehalter auf den Grund.

Obwohl Schlaf für Menschen und Tiere lebenswichtig ist, sind längst nicht alle Mechanismen, Funktionen und Zusammenhänge geklärt. Man weiß, dass Schlaf ein Zustand der äußeren Ruhe ist, in dem sich Puls, Atemfrequenz und Blutdruck vom Wachzustand unterscheiden und sich auch die Gehirnaktivität verändert. Man weiß, dass es unterschiedliche Schlafphasen gibt – bei Tieren genau wie bei Menschen. Und schon sehr lange ist bekannt, wie gefährlich und zerstörerisch Schlafentzug ist. Nicht zuletzt ist er eine seit Jahrtausenden verbreitete Foltermethode. Ein Experiment aus dem Jahre 1894 an Hundewelpen, die permanent wach gehalten wurden, hatte zur Folge, dass die Tiere nach wenigen Tagen starben. Der komplette Schlafentzug hatte zu ausgeprägten Gehirnläsionen geführt. Ähnlich grausame Experimente wurden tatsächlich 100 Jahre später erneut gemacht, als etwa italienische Forscher erwachsene Hunde durch ständiges Laufen wachhielten: Die Tiere starben nach neun bis 17 Tagen – übrigens unabhängig von der Futteraufnahme. Auch bei diesen Hunden wurden histologisch degenerative Prozesse im zentralen Nervensystem nachgewiesen.

Schlaf-Wach-Rhythmus und mehr

Nicht zu schlafen ist also tödlich – wie gefährlich zu wenig Schlaf genau ist, weiß man allerdings nicht. Klar ist lediglich, dass viele Faktoren das Schlafbedürfnis und den Schlafbedarf mit bestimmen – auch bei Tieren: Das Alter ist ein wichtiger Faktor; sehr junge und alte Tiere brauchen mehr Schlaf. Krankheiten und Stress erhöhen das Schlafbedürfnis, mindern allerdings oft die Möglichkeit, gut zur Ruhe zu kommen und ausreichend lange und tief zu schlafen. Auch dies gilt für unsere Tiere ebenso wie für uns selbst. Zudem spielen neben dem Schlaf-Wach-Rhythmus auch noch andere Biorhythmen eine Rolle – beeinflussen also den Schlaf. Das ist einmal der saisonale Rhythmus mit den unterschiedlichen Längen von Tag und Nacht und damit der Summe an Tageslicht, die der Körper abbekommt. Vor allem an Katzen sieht man sehr deutliche Unterschiede im Schlafbedürfnis von deutlich mehr im Winter zu weniger im Sommer. Aber auch der Aktivitätszyklus und der Nahrungsaufnahme- und Trinkrhythmus des jeweiligen Tieres haben einen Einfluss auf die Menge und die Qualität des Schlafes. Zudem hat jeder Körper seinen individuellen Biorhythmus, der im nahelegt, wann Schlaf erwünscht, förderlich, notwendig oder unabdingbar ist.

Die innere Uhr am Beispiel Pferd

Pferdebesitzer merken oft sehr deutlich, wie die innere Uhr ihres Partners tickt, wenn sie nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit an den Stall fahren: Die biologische Uhr beeinflusst im Körper des Pferdes – wie bei uns auch – den Blutdruck, die Körpertemperatur und den Hormonhaushalt. Und wie bei uns Menschen gibt es auch bei Pferden Lerchen und Eulen: Pferde, die zu unterschiedlichen Tageszeiten wach und aktiv sind. Das ist aber noch stärker als bei uns Menschen an die Jahreszeit und die Haltung sowie das Herdenverhalten gebunden. Studien bei freilebenden Przewalski-Pferden zeigten, dass die Pferde zwar ein festes Grundmuster ihrer Aktivität haben, dieses jedoch auch an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Im Frühjahr zeigen die Pferde eine reduzierte Aktivität und grasen stattdessen intensiv, um sich das im Winter verbrauchte Fett wieder anzufressen. Im Sommer verlagern die Tiere ihre Aktivitäten in die Nacht, um Insekten auszuweichen. Auch auf Störeinflüsse von außen reagieren die Pferde mit einer Umstellung ihres Biorhythmus.

Wer immer zu einer bestimmten Zeit zum Reiten kommt und dann stets ein schwer in Gang zu bringendes  Pferd vorfindet, sollte es mit anderen Tages- oder Uhrzeiten probieren. Zumindest um festzustellen, ob das Problem wirklich mit der Uhrzeit zu tun hat. Aber auch ohne offensichtliches Problem lohnt ein Versuch: Viele Reiter wissen gar nicht, wie fit ihr Pferd am Morgen sein kann, weil sie selber immer nur nachmittags reiten wollen oder können. Es lohnt sich, auszuprobieren wann das eigene Pferd sein Leistungshoch hat und sich entsprechend anzupassen. Ansonsten gilt: Ein Pferd, das einmal am Tag sanft aus einer Ruhephase geholt wird, indem man ihm Zeit lässt, dass der Organismus wieder „hochfährt“, hat sicher kein Problem. Kommt das Pferd allerdings auch sonst nicht zur Ruhe, kann dies der Tropfen sein, der ein Fass zum Überlaufen bringt – und beispielsweise in eine Pseudo-Narkolepsie mündet.

Auch andere Faktoren, Fresszeiten etwa, bestimmen maßgeblich den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Schlafbedürfnis mit. Unsere Tiere folgen eher dem Spruch: Nach dem Essen sollst du ruh’n. Allerdings spielt hier auch eine Rolle, wie die Fütterung generell gehandhabt wird. Ein Pferd, das den ganzen Tag auf der Koppel mit wenig Bewuchs grasen kann, mit einem Pferd zu vergleichen, das nach dem Tag auf dem Sand-Paddock hungrig seine Hauptportion Heu verdrückt hat, ist nicht zielführend. Die alte Regel, nach dem Füttern mindestens eine oder sogar zwei Stunden mit dem Reiten zu warten, ist nur bei bestimmten Gegebenheiten notwendig. Bei nur leichtem Training, etwa einem einstündigen Ausritt, kann man sie ganz vernachlässigen. Hier heißt es, den gesunden Menschenverstand einzuschalten: Einem Pferd, das man eben von der 24-Stunden-Raufe aus dem Offenstall geholt hat, etwas Fresspause beim Putzen und Satteln zu geben, reicht in der Regel aus. Umgekehrt sollte man ein Pferd, von dem man weiß, dass es vorher eine längere Fresspause hatte, erst eine halbe Stunde fressen lassen, als es mit leerem Magen zu reiten.

Bei Hunden ist es im Prinzip ähnlich: Ein voller Bauch macht müde und das macht physiologisch Sinn. Denn bei Hunden wird der Magen durch flexible Bänder in der vorgesehenen Position gehalten, was eine Magendrehung ermöglicht, wenn sich der Hund nach dem Fressen viel und heftig bewegt. Gegen einen ruhigen Spaziergang zum Lösen spricht natürlich nichts.

Der Entspannungsnerv unter Stress

Nicht nur nach dem Fressen, auch nach einer körperlichen Anstrengung kommen unsere Tiere normalerweise zur Ruhe. Allerdings nur, wenn sie sich wohlfühlen. Passt etwas nicht – kann auch die Ruhe nicht einkehren. Bei Hunden und Pferden kann das eine Überforderung beim Training ebenso sein wie Stress mit den Artgenossen oder der Haltung. Stress und der Schlaf-Wach-Rhythmus sind über den Vagusnerv gekoppelt, wie man inzwischen aus zahlreichen Studien weiß. Der Vagusnerv ist wichtiger Teil des Parasympathikus. Dieser dient der Erholung und dem Aufbau. Er verlangsamt die Atmung und den Herzschlag, senkt den Blutdruck, womit er den Körper entspannt und Blut zu den inneren Organen lenkt und damit die Verdauung aktiviert. Bei Stress funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr und die Tiere kommen nicht mehr zur Ruhe oder erholen sich im Schlaf nicht adäquat. Grundsätzlich unterscheidet man chronischen oder akuten Stress. Beim Hund kann chronischer Stress durch die Umwelt (Leinenzwang, Hundebegegnungen, Verkehr) ebenso entstehen wie durch den Halter (Trainingsfehler, Überforderung, Unterforderung, Einsamkeit) oder körperliche Einschränkungen (Atemwegsprobleme etwa durch Kurznasigkeit – auch oder besonders im Schlaf, Gelenkprobleme durch Überzüchtung oder Übergewicht). Eine gewisse Zeit funktioniert der Organismus auch unter Stress und mit weniger Schlaf, doch irgendwann werden die Tiere krank. Mangelnde Regeneration durch zu wenig erholsamen Schlaf ist nicht leicht zu erkennen. Vielfach wird man über Verhaltensänderungen – bei Katzen beispielsweise Unsauberkeit – auf den Stress als Auslöser kommen. Allerdings gibt es auch noch andere Zeichen.

Wie (tief) schläft das Tier?

Alle unsere Tiere können genau wie wir unterschiedlich tief schlafen und träumen (siehe Kasten). Pferden können auf drei verschiedene Arten ausruhen: Dösen, Schlummern und Tiefschlaf. Alle drei Varianten können bei ihnen im Stehen stattfinden. Unterschiedliche Studien zeigten, dass die Fütterungszeiten, die Haltung sowie die Nutzung des Pferdes einen Tagesrhythmus vorgeben, an den es seine Ruhezeiten anpasst – besonders das Schlummern und den Tiefschlaf. All dies wird außerdem stark vom Sicherheitsbedürfnis des Fluchttieres Pferdes und von der Rangfolge beeinflusst. Bei Pferden und Katzen mit Freigang ist es offensichtlicher als bei den meisten Hunden, dass neben Alter, Geschlecht und Gewicht auch das Wetter sowie vermeintliche und reale Bedrohungen das Schlaf- und Ruheverhalten beeinflussen.

Bei Hunden und Katzen beobachtet man zudem (zumeist temperaturabhängig) bestimmte Schlafpositionen – von völlig ausgestreckter über teilweise bis zu komplett eingerollter Seit- und Bauchlage bis zur Rückenlage ist alles dabei und oft auch sehr typabhängig. Immer wieder hört man, erwachsene Pferde würden sich zum Schlafen nicht hinlegen oder nur Fohlen schliefen in der Seitenlage. Beides ist falsch. In die Seitenlage begeben sich tatsächlich nicht alle Pferde und die, die es machen, tun es auch nicht täglich. Die Seitenlage ist beim Pferd meist kurz, was auch körperliche Gründe hat. Denn das große Gewicht des Pferdes drückt dann am meisten auf die Lungen. Deswegen ändert sich hier auch die Atmung: So wird beim Ausatmen in Seitenlage die Luft quasi einen Moment angehalten, indem der Kehlkopf sich einige Sekunden verschließt.

Wie tief das Tier schläft, stellt sich auch bei unseren Hunden und Katzen oft erst heraus, wenn sie wieder wach werden. Dann weiß man, wie lange sie geschlafen haben und kann über die Art des Wachwerdens Rückschlüsse auf die Art des Schlafes ziehen. Je länger die Schlafphase und je ausgiebiger und länger das Wachwerde-Ritual aus Blinzeln, Gähnen, Strecken und Dehnen, umso größer die Wahrscheinlichkeit für eine Phase mit tiefem Schlaf.

Symptome für Müdigkeit

Der Hund, die Katze und das Pferd gähnen genau wie viele andere Tiere und auch wir. Und wie bei uns ist Gähnen ein Zeichen für Müdigkeit – aber eben nicht nur. Es kann Symptom für Verlegenheit ebenso sein wie Anzeichen für Magengeschwüre oder Leberprobleme oder ein Zeichen von Entspannung. Es kommt ganz auf den Zusammenhang an. Grundsätzlich ist Gähnen allen Säugetieren eigen. Es gibt viele Untersuchungen an verschiedenen Tierarten, geforscht wurde aber am meisten am Menschen. Mit dem Ergebnis, dass man auch bei uns immer noch nicht exakt weiß, warum und wie wir gähnen. Dennoch hat man einiges übers Gähnen bei Tieren herausgefunden: Sie öffnen den Unterkiefer, dehnen eine Vielzahl von Gesichtsmuskeln und kneifen wie wir Menschen dabei die Augen zusammen oder auch nicht. Meist wird mehrmals hintereinander gegähnt – und es ist ansteckend. Dies dient bei allen Spezies unter anderem der Übertragung von Stimmungen und damit der Kommunikation und dem Zusammenhalt der Gruppe. Und auch bei Tieren ist Gähnen keine schnelle und kurze Antwort auf einen einfachen Reiz und von daher kein Reflex im eigentlichen Sinn. Soweit die Ähnlichkeiten.

Es gibt aber auch Unterschiede: Pferde gähnen häufig „mit Zunge“. Vor allem, wenn sie einige Male hintereinander gähnen, dehnen, drehen oder strecken sie irgendwann die Zunge aus dem Maul heraus. Oft wird dabei auch der Kopf noch etwas gedreht. Dies lässt sich häufiger beobachten, wenn Pferde nach einem Schläfchen wieder beginnen aktiv zu werden. Und auch beim Behandeln erlebt man dieses Mobilisieren häufig. Hunde gähnen häufig zum Beschwichtigen. Macht ein Hund dies öfter oder immer in bestimmten Momenten, sollte man sich fragen, ob er in der jeweiligen Situation Stress hat.

Um festzustellen, ob ein Tier nun durch Gähnen Stress abbaut, wach wird oder anzeigt, dass es müde oder krank ist, erfährt man, indem man den jeweiligen Kontext beachtet. Gähnt ein Pferd immer, wenn sein Weidekumpel vom Reiten zurückkommt und schiebt dabei den Unterkiefer hin und her, deutet viel auf Loslassen der inneren Spannung hin. Tritt das Gähnen auf, nachdem man einen langen, entspannten Ausritt hinter sich gebracht hat und begibt sich das Pferd nach dem Wälzen in die Sonne zum Dösen, wobei es ein-,
zweimal gähnt, ist wohl eher kein Stress zu vermuten. Anders, wenn das Pferd beim Fressen gähnt. Bei Hunden kann stressbedingtes Gähnen beispielsweise auftreten, wenn sie erkennen, dass der Mensch geht und sie alleine bleiben müssen.

Wichtig ist nicht nur, in welcher Situation das Gähnen erfolgt, sondern auch wie oft und auf welche Art. Bei Affen zeigten Versuche, dass ein Gähnen aus emotionaler Spannung oder zum Stressabbau mit offenen Augen erfolgt. Auch diesen Aspekt kann man bei unseren Haustieren in die Beobachtung mit einbeziehen. Sind Sie sich nicht sicher, legen Sie eine Art Tagebuch an.

Ein weiteres Anzeichen für Müdigkeit ist – besonders bei Katzen – ein letztes Hochspulen oder Überdrehen, ähnlich wie bei kleinen Kindern, die in völliger Erschöpfung noch einmal richtig aufdrehen, laut werden und herumrennen. Katzen können dann auch aggressiv werden. Es kann helfen, ihnen zu signalisieren, dass sie sich zur Ruhe begeben können oder ihnen einen Raum zu öffnen, indem sie schnell in den Schlaf finden. Katzen kommen vor allem dann nicht zum tiefen, erholsamen Schlafen, wenn andere Katzen, Haustiere oder wir sie daran hindern. Ansonsten sind sie Weltmeister sowohl im Powernapping als auch im Dauerpennen.

Symptome für Schlafmangel

Wie schlafen Tiere - Schlaf bei Tieren

Leider ist Schlafmangel nicht an einigen klar definierten Symptomen zu erkennen, sondern es ist ein wenig Detektivarbeit nötig. Viele Tierbesitzer kommen erst auf Schlafmangel, wenn die Tiere krank werden. Das liegt unter anderem daran, dass Schlafmangel auch ein Symptom bestimmter Erkrankungen sein kann. Als Symptom kann Schlafmangel aber auch in der Ursachen-Kette verschwinden und deshalb keine Beachtung finden. Wenn etwa ein älterer Hund in seinem Körbchen nicht mehr genügend Schlaf findet, weil es dort zu kalt ist oder die Unterlage zu hart für ihn ist, wird man vielleicht aufgrund nächtlicher Unruhe an Demenz denken und die Schlafstörung als Symptom werten und nicht als die Ursache der Verwirrtheit.

Bei Pferden sind erste Folgen von zu wenig Erholung durch regenerativen Schlaf oft Stolpern oder Widersetzlichkeiten beim Reiten. Viele Pferde werden auch ängstlicher und schreckhafter. Letzteres gilt auch für Hunde und Katzen. Auch die Aufmerksamkeit in Trainingssituationen kann bei Schlafmangel leiden. Am auffälligsten ist oft, wenn früher vorhandene Probleme körperlicher oder psychischer Art plötzlich wieder auftauchen, obwohl man sie für „bereinigt“ hielt. Das können Hauterkrankungen oder Atemwegsprobleme ebenso sein wie Bewegungseinschränkungen und eine abtrainierte Leinenaggression oder Unsauberkeit; all dies kann wiederkommen. Auch veränderter Appetit – mehr oder weniger – oder eine Abweichung bei der üblichen Verdauung (Kotwasser, Durchfall, Verstopfung) sowie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Parasiten können auftreten.

Krankhafte Schlafstörungen

Wie Menschen können auch Hunde an Narkolepsie leiden. Sie gelten als schläfriger und weniger aktiv als andere Hunde gleicher Rasse und „fallen“ sprichwörtlich in den Schlaf. Hunde leiden in der Regel an genetisch bedingter Narkolepsie. Diese Art gibt es auch bei Pferden und Katzen, hier ist sie allerdings extrem selten. Bei Pferden ist vor allem die Pseudo-Narkolepsie seit einigen Jahren recht verbreitet. Bei ihr führen mangelnder Schlaf sowie häufig auch Blockierungen und Komprimierungen im Bereich des Übergangs von der Hals- zur Brustwirbelsäule (Ganglion stellatum) zu Zusammenbrüchen, zumeist aus dem Dösen im Stehen heraus. Dies ist der Unterschied zur genetisch bedingten Narkolepsie, die in der Regel bei vermehrter Aktivität und Erregung zu einem Anfall führt. Ebenfalls bei Mensch und Hund gibt es die so genannte REM-Störung. Davon betroffene Individuen haben ein umfangreiches Spektrum an Bewegungen und Lauten, die wie im Wachzustand anmuten. Es handelt sich hierbei nicht um Schlafwandeln und die Bewegungen sind deutlich massiver und komplexer als die leicht zuckenden, reduzierten Bewegungen im Traum.

Der Schlaf von älteren Tieren

Hunde und Katzen schlafen bis zu 20 Stunden am Tag, es kann aber auch nur gut die Hälfte sein, ohne dass es krankhaft wäre. Es gibt hier große individuelle Unterschiede. Erwachsene Pferde kommen auf bis zu sieben Stunden, wobei Ruhen und Dösen im Stehen mitgezählt werden. Generell gilt: Ältere Tiere brauchen mehr Schlaf. Oft merkt man das Älterwerden als erstes daran, dass die Tiere viel mehr schlafen. Neben dem Schlafbedürfnis ändern sich im Alter häufig auch die Anforderungen von Hund und Katze an ihren Schlafplatz, beziehungsweise die des Pferdes an die Haltung. Häufig wollen die Tiere mehr für sich sein. Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, kann es sein, dass Katzen erhöhte Schlafplätze nicht mehr gut erreichen. Auch Hunden kann der Weg aufs gewohnte Sofa oder der Einstieg in ein Körbchen mit hohem Rand schwerfallen oder sogar unmöglich werden – vor allem bei kleinen Rassen. Oft taucht auch ein größeres Wärmebedürfnis auf, das die Tiere möglicherweise nicht mehr so gut zur Ruhe kommen lässt. Jeder Hund und jede Katze brauchen ein ausreichend großes Körbchen, auf dem sie weich und warm/kühl genug schlafen. Der Standort muss Sicherheit vermitteln und das Tier zur Ruhe kommen lassen. Für ältere Tiere muss das Bett gut erreichbar sein und zudem so groß, dass das Tier sich gut umdrehen und andere Schlafpositionen einnehmen kann. Es kann notwendig sein, einem älteren Tier mindestens einen zweiten Schlafplatz anzubieten.

Bei älteren Pferden ist es wichtig, zu überprüfen, ob sie sich überhaupt noch hinlegen. Hinweise, ob und wie das Pferd liegt, geben gibt in der Regel die Einstreu oder Mist in Fell und Langhaar und heute immer öfter auch moderne Stalltechnik. Was alte Pferde am Hinlegen hindert ist in der Box häufig die Angst, nicht mehr hochzukommen. Rutschende Einstreu über Beton kann diese  Angst verstärken. Im Offenstall ist es oft Unruhe in der Herde, die ältere Pferde am hinteren Ende der Rangordnung nicht ausreichend erholsamen Schlaf finden lässt.

Therapieansätze und Denkanstöße

Jeder Organismus braucht ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe, Anregung und Erholung. Das heißt, dass auch ausreichend Bewegung und Beschäftigung für einen gesunden Schlaf wichtig sind. Wer nur noch herumliegt und nichts tut, der wird auch nicht gut schlafen. Vor allem bei Hunden, reinen Wohnungskatzen und Pferden in Boxenhaltung ist ans Alter angepasste Auslastung durch uns Menschen wichtig. Offenstallpferde und Freigänger-Katzen haben selber mehr Möglichkeiten, sich Bewegung zu verschaffen.

In der chinesischen Medizin spricht man von einer so genannten Organuhr. Sie dient dazu, den Zusammenhang zwischen Tageszeit und Organfunktion zur Diagnostik und zur Therapie zu berücksichtigen. Laut dieser Organuhr ist eine wichtige Phase für den Organismus zwischen 19 und 21 Uhr (bei Sommerzeit 20–22 Uhr): Es ist die Zeit der Erholung und Entspannung der Hauptorgane. In dieser Zeit wollen aber viele Menschen nach der Arbeit etwas mit ihren Hunden und Pferden machen. Es kann sein, dass diese Zeit für ein Tier, das ohnehin wenig Schlaf bekommt oder angeschlagen ist, sich ungünstig auswirkt. Ansonsten bietet sich die Organuhr natürlich immer an, wenn bereits ein gesundheitliches Problem vorliegt und die Ursache gefunden werden soll. Das gilt auch für Erkrankungen im Zusammenhang mit Schlafstörungen.

Ziel aller Maßnahmen – egal ob naturheilkundliche Therapien, Umstellungen im Tagesablauf oder weitere Verbesserungen der Umstände – sollte es sein, das Gleichgewicht für den jeweiligen Organismus und seine aktuellen Bedürfnisse an An- und Entspannung wieder herzustellen. Ob dafür ein neues oder ein weiteres Körbchen angeschafft wird, ob der Hauptspaziergang auf den Morgen verlegt oder das Alleinbleiben trainiert wird, ob Bachblüten, Aromatherapie, Akupunktur oder Homöopathie zum Einsatz kommen, hängt ganz von den Ursachen und Begleitumständen ab. Bei uns Menschen haben Studien gezeigt, dass bereits ein Schlafdefizit von nur einer Stunde ausreicht, um tagsüber müde zu werden oder Fehler beim Arbeiten zu machen.

Ein Artikel von Claudia Götz

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www.tiernaturgesund.de

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