Schlafen für die Gesundheit

Winter ist die Zeit, in der unsere Tiere mehr schlafen. Das ist normal, schließlich sind auch die Tage kürzer. Doch wie viel Schlaf brauchen Hund, Katze oder Pferd eigentlich? Und woran merkt man, wenn etwas nicht passt?

Die Katze hat sich auf dem Sofa zusammengerollt und steht nur auf, wenn sie Hunger hat, ins Katzenklo geht oder ihre fünf Spinner-Minuten hat. Sie will weder vor die Tür, noch fordert sie wie sonst ein Jagdspiel von Ihnen. Ist das noch normal, fragen Sie sich? Ja, das ist es. Wenn sie an schönen, sonnigen Tagen weiter ins Freie will, wenn Sie, sobald die Tage länger werden auch wieder mehr Lust auf Interaktion mit Menschen oder tierischen Mitbewohnern hat, dann muss man sich erst einmal keine großen Gedanken machen.

Der heilige Schlaf der Katze

Studien zeigten: Mehr als die Hälfte der Katzen schläft zwischen 12 und 18 Stunden pro Tag. Fast die Hälfte, nämlich 40 Prozent schläft sogar länger. Sie haben, wie auch Hunde, ein so genanntes polyphasisches Schlafmuster, das bedeutet, dass sie zwischen ihren aktiveren Phasen mehrmals pro Tag ein Nickerchen machen. Die Nickerchen der Katze dauern im Durchschnitt 78 Minuten. Wie viele Nickerchen das sind, kann davon abhängen, wie viel REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) sie abbekommen.

Ähnlich wie der Mensch durchlaufen auch unsere Tiere verschiedene Schlafstadien. Bei Katzen gibt es sowohl den NREM-Schlaf (Non-Rapid Eye Movement) als auch den REM-Schlaf. Jeder Katzenhalter kennt es und auch Studien zeigten, dass Katzen oft eine Phase der Wachsamkeit und Aktivität erleben, bevor sie schläfrig werden und dann in den NREM-Schlaf fallen. Dieses letzte Hochspulen, ähnlich wie bei kleinen Kindern, die in völliger Erschöpfung noch einmal richtig aufdrehen, laut werden und herumrennen, ist oft schon ein Zeichen für Müdigkeit. Katzen können dann auch aggressiv werden. Es kann helfen, ihnen zu signalisieren, dass sie sich zur Ruhe begeben können oder ihnen einen Raum zu öffnen, in dem sie schnell in den Schlaf finden.

Während dieser NREM-Phase schläft die Katze in der Regel nicht sehr tief und ist jederzeit bereit, aufzuwachen. Wird sie nach dem NREM-Schlaf wieder wach, durchläuft sie den Zyklus von Wachheit, Schläfrigkeit und NREM-Schlaf oft einige Male, bis sie irgendwann vom NREM- in den REM-Schlaf übergeht. Während des REM-Schlafs bewegen sich – auch bei Hund, Pferd oder Mensch – oft die Augen hinter den geschlossenen Augenlidern.

Bei Katzen können sich die Augen sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Jeder Katzenhalter hat seine Katze schon einmal im REM-Schlaf erlebt. Das Träumen zeigt sich dann auch in zuckenden Pfötchen oder einem Peitschen des Schwanzes und auch Töne wie ein Fauchen oder Zischen können zu hören sein. Man sollte die Tiere, auch die Hunde, nicht aufwecken, wenn sie deutlich erkennbar träumen. Wenn etwa der Hund im Traum knurrt, eine Bürste bekommt oder wild mit den Pfoten rudert, wird er fälschlicherweise oft aufgeweckt, weil man denkt, er hätte nun einen Albtraum. Träume sind aber höchstwahrscheinlich nicht nur für uns zur Verarbeitung von Erlebtem extrem wichtig. Außerdem wird vermutet, dass nicht nur bei uns die Traumschlafphasen an der Regeneration im Schlaf entscheidend beteiligt sind.

Unterschiede gibt es beim Schlafrhythmus von Katzen. Der ist anders als bei Menschen und bei Hunden. Zwar haben alle einen zirkadianen Rhythmus, also eine innere biologische Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus über die 24 Stunden eines Tages steuert, sie ist aber bei Katzen anders gelagert – sie sind dämmerungsaktiv.

Ihre beiden natürlichen Aktivitätsspitzen sind am frühen Morgen vor Sonnenaufgang und am Abend bei Sonnenuntergang. Da diese das Jahr über um mehrere Stunden variieren, also zu sehr unterschiedlichen Zeiten stattfinden und entsprechend auch die Zahl der Tag- und Nachtstunden sich ändert, verändert sich auch der Schlaf der Tiere, nicht nur der von Katzen.

Was den Schlaf von Katzen stört, hat häufig andere Ursachen als etwa bei Hunden oder Pferden. So kann ihre Natur als Dämmerungsjäger sie unruhig machen, wenn alle andern Bewohner noch selig schlummern. Und Katzen kommen vor allem dann nicht zum tiefen erholsamen Schlafen, wenn andere Katzen, Haustiere oder wir sie daran hindern. Ansonsten sind sie Weltmeister sowohl im Powernapping als auch im Dauerpennen.

Schlafentzug als gesundheitliche Gefahr

Obwohl Schlaf für Menschen und Tiere lebenswichtig ist, und man inzwischen auch viel darüber weiß, sind längst nicht alle Mechanismen, Funktionen und Zusammenhänge geklärt. Dass Schlaf ein Zustand der äußeren Ruhe ist, in dem sich Puls, Atemfrequenz und Blutdruck vom Wachzustand unterscheiden und sich auch die Gehirnaktivität verändert ist klar. Und schon sehr lange ist bekannt, wie gefährlich und zerstörerisch Schlafentzug ist. Nicht zuletzt ist er eine seit Jahrtausenden weltweit verbreitete Foltermethode. Ein Experiment aus dem Jahre 1894 an Hundewelpen, die permanent wach gehalten wurden, hatte zur Folge, dass die Tiere nach wenigen Tagen starben. Der komplette Schlafentzug hatte zu ausgeprägten Gehirnschäden geführt. Ähnlich grausame Experimente wurden tatsächlich 100 Jahre später erneut gemacht, als etwa italienische Forscher erwachsene Hunde durch ständiges Laufen wachhielten: Die Tiere starben nach neun bis 17 Tagen – übrigens unabhängig von der Futteraufnahme. Auch bei diesen Hunden wurden degenerative Prozesse im zentralen Nervensystem nachgewiesen.

Nicht zu schlafen ist also tödlich – wie gefährlich zu wenig Schlaf genau ist, weiß man allerdings nicht. Man weiß nur, dass viele Faktoren das Schlafbedürfnis und den Schlafbedarf mit bestimmen – auch bei Tieren: Neben der Jahreszeit und dem Alter erhöhen Krankheiten und Stress das Schlafbedürfnis. Gleichzeitig mindern sie aber oft die Möglichkeit, gut zur Ruhe zu kommen und ausreichend lange und tief zu schlafen. Auch dies gilt für unsere Tiere ebenso wie für uns selbst. Zudem beeinflussen noch weitere Biorhythmen den Schlaf: Der Aktivitätszyklus und der Nahrungsaufnahme- und Trinkrhythmus des jeweiligen Tieres haben einen Einfluss auf die Menge und die Qualität des Schlafes. Außerdem hat jeder Körper seinen individuellen Biorhythmus, der im nahelegt, wann Schlaf erwünscht, förderlich, notwendig oder unabdingbar ist – beim Menschen sind das zum Beispiel die bis spät abends aktiven Eulen und die früh am Morgen bereits fitten Lerchen.

Wie die innere Uhr tickt

Hundebesitzer merken oft sehr deutlich, wie die innere Uhr ihres vierbeinigen Partners tickt, wenn sie nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit Gassi gehen oder in die Hundeschule können: Die biologische Uhr beeinflusst im Körper des Hundes – wie bei uns auch – den Blutdruck, die Körpertemperatur und den Hormonhaushalt. Und wie bei uns Menschen gibt es auch bei Hunden Lerchen und Eulen: Vierbeiner, die zu unterschiedlichen Tageszeiten wach und aktiv sind. Hunde haben normalerweise Aktivitätsspitzen am Vormittag und frühen Abend. Auch wenn sich Hunde unterschiedlich stark an dieses typische Muster halten, gibt es nur wenige erwachsene Hunde, die völlig von diesem normalen Zeitplan abweichen. Was auch daran liegen kann, dass sie mit uns leben und wir eben einen bestimmten zirkadianen Rhythmus – also ein übliches Wach-Schlaf-Schema – verfolgen. Denn Welpen werden nicht mit einem zirkadianen Rhythmus geboren, und es dauert Monate, bis sie das für ihre Art typische Muster entwickeln. Ihre aktiven Zeiten sind nicht so vorhersehbar wie die von erwachsenen Hunden. Hundebesitzer, die aufgrund ihrer Arbeit normalerweise sehr spät nachts ins Bett gehen und am Vormittag lange schlafen, erleben, dass ihre Hunde sich diesem zirkadianen Rhythmus meist problemlos anpassen können.

Von freilebenden Pferden weiß man, dass sie zwar ein festes Grundmuster ihrer Aktivität haben, dieses jedoch auch zügig an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Im Frühjahr zeigen die Pferde eine reduzierte Aktivität und grasen stattdessen intensiv, um sich das im Winter verbrauchte Fett wieder anzufressen. Im Sommer verlagern die Tiere ihre Aktivitäten in die Nacht, um Insekten auszuweichen.

Fressen und Schlafen

Auch bei Hunden und Katzen bestimmen Fresszeiten maßgeblich den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Schlafbedürfnis mit. Unsere Tiere folgen meist dem Spruch: Nach dem Essen sollst du ruh’n. Allerdings spielt hier auch eine Rolle, wie die Fütterung generell gehandhabt wird. An Pferden wird das besonders deutlich: Ein Pferd, das den ganzen Tag auf der Koppel grast, kann man nicht mit einem Pferd vergleichen, das nach dem Tag auf dem Sand-Paddock hungrig seine Hauptportion Heu verdrückt hat. Das erste Pferd kann man von der Wiese holen und reiten, ohne die alte Regel, nach dem Füttern mindestens eine oder sogar zwei Stunden mit dem Reiten zu warten. Das zweite Pferd sollte man vor dem Reiten unbedingt fressen lassen und – falls man etwas anderes vorhat als leichte Bewegung, etwa einen einstündigen Ausritt, sollte man die Pause nach dem Fressen unbedingt beachten. Einem Pferd, das man eben von der 24-Stunden-Raufe aus dem Offenstall geholt hat, etwas Fresspause beim Putzen und Satteln zu geben, reicht in der Regel aus. Umgekehrt sollte man ein Pferd, von dem man weiß, dass es vorher eine längere Fresspause hatte, erst eine halbe Stunde fressen lassen, als es mit leerem Magen zu reiten.

Bei Hunden ist es im Prinzip ähnlich: Ein voller Bauch macht müde und das macht physiologisch Sinn. Denn bei Hunden wird der Magen durch flexible Bänder in der vorgesehenen Position gehalten, was vor allem bei größeren Rassen eine Magendrehung ermöglicht, wenn sich der Hund nach dem Fressen viel und heftig bewegt. Gegen einen ruhigen Spaziergang zum Lösen spricht natürlich nichts. Wenn man den Hund zur großen Gassirunde des Tages aus einer Ruhe- oder Schlafphase holt, dann sollte man das ebenfalls langsam angehen. Indem man ihm Zeit lässt, dass der Organismus wieder „hochfährt“ kommen nicht nur Sehnen, Bänder und Gelenke wieder in – gut durchblutete, aufgewärmte – Höchstform, sondern auch der Kreislauf, was gerade bei älteren Hunden wichtig ist.

Entspannung unter Stress

Nicht nur nach dem Fressen, auch nach einer körperlichen Anstrengung kommen unsere Tiere normalerweise zur Ruhe. Allerdings nur, wenn sie sich wohlfühlen. Passt etwas nicht – kann auch die Ruhe nicht einkehren. Bei Hunden und Pferden kann das eine Überforderung beim Training ebenso sein wie Stress mit den Artgenossen oder der Haltung. Stress und der Schlaf-Wach-Rhythmus sind über den Vagusnerv gekoppelt, wie man inzwischen über zahlreiche Studien weiß. Der Vagusnerv ist wichtiger Teil des Parasympathikus. Dieser dient der Erholung und dem Aufbau. Er verlangsamt die Atmung und den Herzschlag, senkt den Blutdruck, womit er den Körper entspannt und Blut zu den inneren Organen lenkt und damit die Verdauung aktiviert. Bei Stress funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr und die Tiere kommen nicht mehr zur Ruhe oder erholen sich im Schlaf nicht adäquat. Grundsätzlich unterscheidet man chronischen oder akuten Stress. Beim Hund kann chronischer Stress durch die Umwelt (Leinenzwang, Hundebegegnungen, Verkehr) ebenso entstehen wie durch den Halter (Trainingsfehler, Überforderung, Unterforderung, Einsamkeit) oder körperliche Einschränkungen (Atemwegsprobleme etwa durch Kurznasigkeit – auch oder besonders im Schlaf, Gelenkprobleme durch Überzüchtung oder Übergewicht). Eine gewisse Zeit funktioniert der Organismus auch unter Stress und mit weniger Schlaf, doch irgendwann werden die Tiere krank. Mangelnde Regeneration durch zu wenig erholsamen Schlaf ist nicht leicht zu erkennen.

Gähnen als Symptom für Müdigkeit

Der Hund, die Katze und das Pferd gähnen genau wie viele andere Tiere und auch wir. Und wie bei uns ist Gähnen ein Zeichen für Müdigkeit – aber eben nicht nur. Es kann Symptom für Verlegenheit ebenso sein wie Anzeichen für Magengeschwüre oder Leberprobleme oder ein Zeichen von Entspannung. Es kommt ganz auf den Zusammenhang an. Grundsätzlich ist Gähnen allen Säugetieren eigen. Es gibt viele Untersuchungen an verschiedenen Tierarten, geforscht wurde aber am meisten am Menschen. Mit dem Ergebnis, dass man auch bei uns immer noch nicht exakt weiß, warum und wie wir gähnen. Dennoch hat man einiges übers Gähnen bei Tieren herausgefunden: Sie öffnen den Unterkiefer, dehnen eine Vielzahl von Gesichtsmuskeln und kneifen wie wir Menschen dabei die Augen oder auch nicht. Und auch bei Tieren ist Gähnen keine schnelle und kurze Antwort auf einen einfachen Reiz und von daher kein Reflex im eigentlichen Sinn. Soweit die Ähnlichkeiten. Hunde gähnen häufig zum Beschwichtigen. Macht ein Hund dies öfter oder immer in bestimmten Momenten, sollte man sich fragen, ob er in der jeweiligen Situation Stress hat.

Um festzustellen, ob ein Tier nun durch Gähnen Stress abbaut, wach wird oder anzeigt, dass es müde oder krank ist, erfährt man, indem man den jeweiligen Kontext beachtet. Gähnt ein Pferd immer, wenn sein Weidekumpel vom Reiten zurückkommt und schiebt dabei den Unterkiefer hin und her, deutet viel auf Loslassen der inneren Spannung hin. Tritt das Gähnen auf, nachdem man einen langen, entspannten Ausritt hinter sich gebracht hat und begibt sich das Pferd nach dem Wälzen in die Sonne zum Dösen, wobei es ein- zweimal gähnt ist wohl eher kein Stress zu vermuten. Anders, wenn das Pferd beim Fressen gähnt. Bei Hunden kann stressbedingtes Gähnen beispielsweise auftreten, wenn sie erkennen, dass der Mensch geht und sie alleine bleiben müssen.
Wichtig ist nicht nur, in welcher Situation das Gähnen erfolgt, sondern auch wie oft und auf welche Art.

Bei Affen zeigten Versuche, dass ein Gähnen aus emotionaler Spannung oder zum Stressabbau mit offenen Augen erfolgt. Auch diesen Aspekt kann man bei unseren Haustieren in die Beobachtung mit einbeziehen. Es kann helfen, sich dies eine Weile zu notieren, um sich ein Bild zu machen.

Wie (tief) schläft das Tier?

Wie tief – und damit auch wie erholsam – das Tier schläft, stellt sich auch bei unseren Hunden und Katzen oft erst heraus, wenn sie wieder wach werden. Dann weiß man erstens häufig wie lange sie geschlafen haben und kann zudem über die Art des Wachwerdens Rückschlüsse ziehen. Je länger die Schlafphase und je ausgiebiger und länger das Wachwerde-Ritual aus Blinzeln, Gähnen, Strecken und Dehnen umso größer die Wahrscheinlichkeit für eine Phase mit tiefem Schlaf. Weitere Hinweise können bei Hunden und Katzen die (zumeist temperaturabhängigen) unterschiedlichen Schlafpositionen – von völlig ausgestreckter über teilweise bis zu komplett eingerollter Seit- und Bauchlage bis zur Rückenlage geben. Zwar sind diese auch sehr typabhängig aber im Rahmen der individuellen Unterschiede dennoch nützlich.

Pferde können übrigens auf drei verschiedene Arten ausruhen: Dösen, Schlummern und Tiefschlaf. Alle drei Varianten können im Stehen stattfinden. Immer wieder hört man, erwachsene Pferde würden sich zum Schlafen nicht hinlegen oder nur Fohlen schliefen in der Seitenlage. Beides ist falsch. In die Seitenlage begeben sich tatsächlich nicht alle Pferde und die, die es machen tun es auch nicht täglich. Die Seitenlage ist beim Pferd meist kurz, was auch körperliche Gründe hat. Denn das große Gewicht des Pferdes drückt am dann meisten auf die Lungen. Deswegen ändert sich hier auch die Atmung: So wird beim Ausatmen in Seitenlage die Luft quasi einen Moment angehalten, indem der Kehlkopf sich einige Sekunden verschließt. Solche Dinge können auch bei größeren und älteren Hunden Probleme machen, die sich etwa aufgrund von Arthrose nicht mehr in jeder Position schlafen legen können.

Symptome für Schlafmangel

Leider ist Schlafmangel nicht an einigen klar definierten Symptomen zu erkennen, sondern es ist dafür oft Detektivarbeit nötig. Viele Tierbesitzer kommen erst auf Schlafmangel wenn ihre Lieblinge krank werden. Das liegt unter anderem daran, dass Schlafmangel auch ein Symptom bestimmter Erkrankungen sein kann. Als Symptom kann Schlafmangel aber auch in der Ursachen-Kette verschwinden und deshalb keine Beachtung finden. Wenn etwa ein älterer Hund in seinem Körbchen nicht mehr genügend Schlaf findet, weil es dort zu kalt ist oder die Unterlage zu hart für ihn ist, wird man vielleicht aufgrund nächtlicher Unruhe an Demenz denken und die Schlafstörung als Symptom werten und nicht als die Ursache der Verwirrtheit.

Bei Pferden sind erste Folgen von zu wenig Erholung durch regenerativen Schlaf oft Stolpern oder Widersetzlichkeiten beim Reiten. Viele Pferde werden auch ängstlicher und schreckhafter. Letzteres gilt auch für Hunde und Katzen. Vielfach wird man über Verhaltensänderungen – bei Katzen beispielsweise Unsauberkeit – auf den Stress als Auslöser kommen. Katzen und besonders Hunde können auch aggressives Verhalten zeigen, wenn sie nicht mehr in für sie nötiger Weise Schlaf finden. Auch die Aufmerksamkeit in Trainingssituationen kann bei Schlafmangel leiden. Am auffälligsten ist oft, wenn früher vorhandene Probleme körperlicher oder psychischer Art plötzlich wieder auftauchen, obwohl man sie für „bereinigt“ hielt. Das können Hauterkrankungen oder Atemwegsprobleme sein, und eine abtrainierte Leinenaggression kann ebenfalls wiederkommen. Auch veränderter Appetit – mehr oder weniger – oder eine Abweichung bei der üblichen Verdauung (Kotwasser, Durchfall, Verstopfung) sowie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Parasiten können auftreten.

Schlaf ist sehr individuell

Erschwerend kommt hinzu, dass Hunde und Katzen zwar bis zu 20 Stunden am Tag schlafen, es aber auch nur gut die Hälfte sein kann, ohne dass es krankhaft wäre. Es gibt hier große individuelle Unterschiede. Generell gilt: Ältere Tiere brauchen mehr Schlaf. Oft merkt man das Älterwerden als erstes daran, dass die Tiere viel mehr schlafen. Neben dem Schlafbedürfnis ändern sich im Alter häufig auch die Anforderungen von Hund und Katze an ihren Schlafplatz. Häufig wollen die Tiere mehr für sich sein. Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, kann es sein, dass Katzen erhöhte Schlafplätze nicht mehr gut erreichen. Auch Hunden kann der Weg aufs gewohnte Sofa oder der Einstieg in ein Körbchen mit hohem Rand schwerfallen oder sogar unmöglich werden – vor allem bei kleinen Rassen. Oft taucht auch ein größeres Wärmebedürfnis auf, das die Tiere möglicherweise nicht mehr so gut zur Ruhe kommen lässt. Jeder Hund und jede Katze brauchen ein ausreichend großes Körbchen, auf dem sie weich und warm/kühl genug schlafen. Der Standort muss Sicherheit vermitteln und das Tier zur Ruhe kommen lassen. Für ältere Tiere muss das Bett gut erreichbar sein und zudem so groß, dass das Tier sich gut umdrehen und andere Schlafpositionen einnehmen kann. Es kann notwendig sein, einem älteren Tier mindestens einen zweiten Schlafplatz zur freien Auswahl anzubieten.

Bei älteren Pferden ist es wichtig, zu überprüfen, ob sie sich überhaupt noch hinlegen. Hinweise, ob und wie das Pferd liegt geben gibt in der Regel die Einstreu oder Mist in Fell und Langhaar und heute immer öfter auch moderne Stalltechnik. Was alte Pferde am Hinlegen hindert ist in der Box häufig die Angst, nicht mehr hochzukommen. Rutschende Einstreu über Beton kann diese Angst verstärken. Im Offenstall ist es oft Unruhe in der Herde, die ältere Pferde am hinteren Ende der Rangordnung nicht ausreichend erholsamen Schlaf finden lässt.

Therapieansätze und Denkanstöße

Jeder Organismus braucht ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen Anregung und Erholung. Das heißt, dass auch ausreichend Bewegung und Beschäftigung für einen gesunden Schlaf wichtig sind. Wer nur noch herumliegt und nichts tut, der wird auch nicht gut schlafen. Vor allem bei Hunden, reinen Wohnungskatzen und Pferden in Boxenhaltung ist ans Alter angepasste Auslastung durch uns Menschen wichtig. Offenstallpferde und Freigänger-Katzen haben selber mehr Möglichkeiten, sich Bewegung zu verschaffen.

Ziel aller Maßnahmen, um den Tieren mehr und besseren Schlaf zu ermöglichen – egal ob (naturheilkundliche) Therapien, Umstellungen im Tagesablauf oder Verbesserungen der Umstände – sollte es sein, das Gleichgewicht für den jeweiligen Organismus und seine aktuellen Bedürfnisse an An- und Entspannung wieder herzustellen. Ob dafür ein neues oder ein weiteres Körbchen angeschafft wird, ob der Hauptspaziergang auf den Morgen verlegt oder am Alleinbleiben trainiert wird, ob Bach-Blüten, Aromatherapie, Akupunktur oder Homöopathie zum Einsatz kommen, das hängt ganz von den Ursachen und Begleitumständen ab. Bei uns Menschen haben Studien gezeigt, dass bereits ein Schlafdefizit von nur einer Stunde ausreicht, um tagsüber müde zu werden oder Fehler beim Arbeiten zu machen.

Ein Artikel von Claudia Götz

Die Diplom-Journalistin ist als Sachbuchautorin, Redakteurin und Texterin tätig und arbeitet als ganzheitliche Therapeutin (mit Matrix-Rhythmus-Therapie, Osteopathie, Akupunktur und Homöopathie) vor allem für Pferde und Hunde.

www.pferdegoetz.de
www.pferdekosmos.de

Von Bäumen lernen

Überall in den Kulturen der Menschen spielen Bäume eine große Rolle. Alte Bäume, Baumkreise und heilige Haine, Baumreihen und Alleen waren Vorbilder für antike Tempel, Basiliken und gotische Kathedralen. Bäume dienten als Gerichtsplatz und Richtstätte, als Dorfmittelpunkt am Markt, als spirituelles Kraftzentrum, zum Heilen und Meditieren. Sie markierten Kraftorte an Wegkreuzen, Wallfahrtskirchen und in der Waldeinsamkeit.

Eindrucksvoll vermitteln alte Bäume Kraft und Stärke. Bäume schaffen in der Gemeinschaft Lebensraum für zahllose Tiere, Pflanzen und Pilze. Nirgendwo können wir Menschen so tief in die Natur eintauchen, wie ein einem Wald. Bei einem Waldspaziergang schöpfen wir Kraft und finden Ausgeglichenheit.

Bäume lehren uns, zu staunen, die eigene Position zu überdenken, Dinge zu relativieren und Klarheit zu finden. Man kann die Heilkraft der Bäume auf ihre pharmakologischen Inhaltstoffe reduzieren und auch hier gibt es noch viel zu entdecken. Aber die heilenden Kräfte der Bäume decken ein weit größeres Feld ab. Bäume sind ausdauernde und verholzende Samenpflanzen, die eine dominierende Sprossachse aufweisen, die durch sekundäres Dickenwachstum an Umfang zunimmt. Im Gegensatz zum Strauch ist es besonderes Merkmal der Bäume, dass sich dadurch ein vorherrschender Haupttrieb herausbildet.

Der Grundgedanke der Baumheilkunde nutzt die Kommunikation zwischen Pflanze und Mensch. Leider ist dieses Wissen nahezu verloren gegangen. Verloren gegangen ist die Praxis deshalb, weil diese Art des Heilens Offenheit und Zeit erfordert. Mit dem allmählichen Verlust dieser Voraussetzungen hat auch eine so fein wirksame Art des Heilens keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft. Diese ursprüngliche Baumheilkunde benötigt keine Verarbeitung von Pflanzenteilen, sie sucht ausschließlich den direkten Baumkontakt und heilt mit dem lebendigen Wesen des Baumes. Diese Zwiesprache wird zur heilenden Kraft. Die Quelle der heilenden Kraft finden wir durch die vermittelnde Zwiesprache zwischen dem Baum und uns in uns selber. Das ist ein Geschenk, das uns angeboten wird.

Wenn Sie noch keinen persönlichen Kraftbaum kennen, wenn sie sich nicht oft in Wald und Natur sich der Baumenergie hingeben können, so hilft ihnen die Pflanzenheilkunde mit frischen, getrockneten oder extrahierten Pflanzenteilen, die Kraft der Bäume zu erfahren.

Hasel, Coryllus avellana, Birkengewächse

Die Hasel ist ein mehrstämmiger Strauch, sie beginnt im Alter von neun Jahren zu blühen. Haseln blühen vor dem Blattaustrieb, das ist typisch für Windbestäuber. Die Nüsse stehen oft in Büscheln aneinander und sind mit einer Hülle ummantelt. Die Haselsträucher dominierten die nacheiszeitlichen Tundren. Man nennt dieses Zeitalter Boreal oder die Haselzeit. Die frühe Blüte der Hasel zeigt uns ihre Kälteverträglichkeit. Trotzdem liebt sie die Sonne. Die Hasel kann zwar auch im Schatten gedeihen, trägt dann besonders große Blätter, aber keine Früchte.

Früher nutzte man Haselgerten für Flechtzäune, Vogelschlingen, Ausklopfstäbe und Korbbügel, für Spazierstöcke und sogar Armbrustbögen. Ältere Haselstämme sterben nach 30 – 50 Jahren ab und werden dann durch junge Triebe ersetzt. So sieht die Hasel immer jung aus, kann aber doch mehrere 100 Jahre alt sein.

Die Hasel ist ein Symbol der Fruchtbarkeit, Haselnüsse und Haselzweige wurden für Liebesorakel genutzt. Jahre mit reicher Haselernte waren Jahre mit zahlreichen Geburten. Das Öl der Hasel ist reich an Vitamin E, das stärkt die Keimdrüsen und fördert die Fruchtbarkeit. „Viel Hasel, viel Kinder ohne Vater“ …

Daher stammt der Brauch, einer unverheirateten schwangeren Frau in der Nacht zum 1. Mai, anstelle einer Birke einen Haselstrauch vor das Fenster zu stellen, um sie dem allgemeinen Spott preiszugeben. Diese Sitte war in Frankreich, aber auch in der Pfalz und in Hessen verbreitet. Das soziale Mobbing funktionierte also auch ohne Internet.

Wie alle Nüsse sind auch Haselnüsse reich an Mineralien und Spurenelementen. Haselnüsse und Hasellaub helfen bei der Regulierung des Blutdrucks und stärken die Knochenfestigkeit. Haselnussöl verbessert die Stressresistenz und wurde früher bei Epilepsie zur Reduzierung der Anfallsintensität genutzt. Haselzweige dienten dem Schutz vor Hexen, vor Fluch und Beschwörung, deswegen wünschte sich Aschenputtel von ihrem Vater einen Haselzweig als Schutz vor der Stiefmutter.

Heute wird Haselnussöl meist zu kosmetischen Zwecken eingesetzt, Haselnussöl strafft die Haut und wirkt gegen Falten, gerade um die Augen. Damit kann jedes Aschenputtel wie eine Prinzessin aussehen.

Von allen Bäumen und Sträuchern besitzt die Hasel höchste Spiritualität, sie ermöglicht, mit der Anderwelt in Kontakt zu kommen, Rutengänger bevorzugen nach wie vor frisch geschnittene Haselzweige als Wünschelrute. Die Hasel wirkt reinigend und klärend auf Geist, Seele und Körper. Sie vermittelt zugleich eine gesunde Leichtigkeit und wirkt so auf den Menschen jugendlich und fröhlich. Die permanente Verjüngung der Hasel zeigt den Weg zu unserem inneren Kind. Die Weisheit der Hasel kann uns mitteilen, wo dieses Kind verborgen ist, uns helfen unsere Probleme zu verstehen und zu lösen, notwendige Reifeprozesse einzuleiten.

Der Weg der Hasel ist Loslassen am Hergebrachten und sich dem Neuen öffnen. Haselprodukte sind für Tiere aus dem Tierschutz, Tiere mit dramatischen Vorgeschichten, eine gute Hilfe zur Integration und zur Lösung der alten Blockaden.

Die Hasel ist ein Windbestäuber. Als solche blühen sie vor dem Blattaustrieb, damit der Wind die Pollen der wurmförmigen Blütenstände ungehindert verteilen kann.

Ein Artikel von Manfred Heßel, Dipl.-Ökologe und Phytotherapeut

Senioren auf Samtpfoten

Für uns Katzenhalter ist es wohl eine unangenehme Wahrheit: Auch unsere geliebten Samtpfoten werden älter. Doch der Tag kommt, an dem wir unweigerlich einige Veränderungen am vertrauten Stubentiger bemerken. Plötzlich wird noch viel mehr geschlafen und der betagte Katzenkörper kommt nur noch mit Mühe den Kratzbaum hinauf. Spätestens da müssen wir uns eingestehen: Die Seniorenzeit hat begonnen!

Man mag diese Erkenntnis vielleicht auch gerne bei Seite schieben, denn der Blick auf den Lebensabend ist oftmals auch mit der Gewissheit verbunden, dass irgendwann der endgültige Abschied erfolgt. Doch auch die Seniorenkatze hat eigene, spezielle Bedürfnisse, die man unbedingt kennen und beachten sollte.

Ab wann ist eine Katze überhaupt ein Senior?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Während die eine Katze mit 15 Jahren dem Zahn der Zeit noch sehr erfolgreich trotzt, ist die andere schon deutlich behäbiger und schusselig geworden. Hier gilt es Ihr Tier gut zu beobachten und auf die gängigen Anzeichen zu achten. Ganz grob lässt sich aber sagen, dass eine Katze vom 10.-12. Lebensjahr an, als Senior/in gilt.

Woran erkenne ich denn, ob meine Katze langsam alt wird?

Neben einem erhöhten Ruhebedürfnis treten häufig die gleichen ersten Anzeichen auf. Die Katze ist nicht mehr so beweglich, wie in jungen Jahren und hat vielleicht auch schon ein paar ihrer Muskeln eingebüßt. Vielleicht sind auch schon ein paar extra Wohlfühlkilos bei der ein oder anderen Katze hinzugekommen sind und beim Fressen ist sie noch mäkeliger, als sie es eh schon war. Da die sonst so scharfen Sinne etwas nachlassen und die Umwelt deshalb nicht mehr so gut wahrgenommen werden kann, kann es ebenso vorkommen, dass einige Katzen schreckhafter werden. Wiederum andere scheinen gar nichts mehr mitzubekommen und schnarchen tagsüber die ganze Wohnung zusammen.

Allgemeine Tipps für einen schönen Katzen-Lebensabend

Unsere Senioren brauchen unsere Zuwendung. Finden Sie das richtige Maß zwischen Respektieren des erhöhten Ruhebedürfnisses und angebrachter Animation zu Spaß und Spiel. Allzu wild sollte es nicht sein, doch regelmäßige Bewegung wirkt dem Abbau der Muskulatur entgegen und Intelligenzspiele sorgen für einen wachen Geist bis ins hohe Alter. Eventuell müssen Sie nun auch der Fell- pflege ein erhöhtes Maß an Aufmerksamkeit schenken. Da einige Katzen ihre hohe Be-weglichkeit einbüßen, erreichen unbewegliche Katzen nicht mehr alle Bereiche ihres Körpers gleich gut und können hier und da eine helfende (oder bürstende) Hand ge-brauchen.Wenn die Beweglichkeit langsam abnimmt, kann es außerdem nötig sein, vorhandene Liegeflächen und Kratzbäume zu überdenken und anzupassen. Mit Rampen als Steighilfe kann die Samtpfote noch länger Freude an ihren Katzenmöbeln haben.

Studien haben gezeigt das gerade bei alternden Katzen Arthrosen eine bisher unbekannte, große Rolle spielen. Wenn Ihre Samtpfote also neuerdings ungewohnt langsam und ruhig daherschleicht, kann durchaus ein medizinischer Grund dahinterstecken. Nicht immer ist es nur ein größeres Ruhebedürfnis oder gar Faulheit.

Besonders wichtig ist es, die Gelenke durch einen einfacheren Abstieg zu schonen, zum Beispiel durch verkürzte Abstände zwischen den Ebenen des Kratzbaums oder einem Brett als Steg. Auch Nahrungsergänzungen in Form von z.B. Grünlippmuschel können hier ergänzt werden.

Es sollte ansonsten nicht mehr viel in der Wohnung umgestellt werden, denn alte Katzen reagieren oft besonders irritiert auf Veränderungen. Ebenso ist ein geregelter Tagesablauf wichtig, er gibt den Senioren Sicherheit und Struktur.

Liebe geht durch den Magen…

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Ernährung. Während die einen im Alter etwas rundlicher werden, scheinen andere Senioren plötzlich zu Erschlanken.

Eine angepasste Energiezufuhr ist hier wichtig. Eventuell macht es Sinn den Energiegehalt des Futters einmal zu überprüfen und hier auf ein entsprechendes Senior Futter zu wechseln, damit die Wohlfühlröllchen nicht bald Überhand nehmen. Oder es sollte etwas Energie/Fett/Protein extra hinzugefügt werden, wenn die Katze es mit den Idealmaßen etwas übertreibt.

Auch bei älteren Katzen macht eine gute Figur was her, jedoch sollte auch immer eine Reserve für eventuelle Krankheitsphasen etc. vorhanden sein. Auch eine gezielte Fütterung von Kräutern und natürlichen Mineralien kann die Vitalität im Seniorenalter unterstützen.

So kann z.B. Ginkgo auch für die grauen Zellen der Katze ein Frischekick sein.Gerade im gesetzten Alter tut sich der Organismus mit normalen Anforderungen etwas schwer. Einfache Dinge wie es sonst der Fellwechsel ist, werden zur Herausforderung. Hier wird viel Energie verbraucht und der Körper ist sehr lange mit solchen Vorgängen beschäftigt. Das Immunsystem ist angreifbar und die Anfälligkeit für Infekte steigt. Gerade hier macht es Sinn, frühzeitige Unterstützung zu leisten und die natürlichen Vorgänge zu beschleunigen.

Und das wichtigste zum Schluss:

Haben Sie Nachsicht und Geduld. Denn Ihre Katze hat Sie ihr ganzes Leben lang begleitet, während es für Sie selbst nur ein


vergleichsweise kurzer Lebensabschnitt war. Bringen Sie daher Ihrer alternden Samtpfote viel Liebe und Nachsicht entgegen, selbst wenn sie nun plötzlich unsauber werden sollte, viel mehr Pflege benötigt oder viel- leicht sogar Demenz entwickelt und anfängt etwas merkwürdig zu werden. Dann werden Sie mit noch einigen schönen Rentnerjahren Ihrer Katze belohnt

Ein Artikel von Irmgard Höving, Tierheilpraktikerin

Pflanzliche Fütterung beim Hund

Die Frage nach der „besten“ oder „korrekten“ Ernährung des eigenen Hundes ist ein emotionales Thema, das mit vielen Halbwahrheiten, persönlichen Vorlieben und Idealen verbunden ist. Ob Rohfütterung, Selbstkochen, oder ein Alleinfutter- stets liegt der Wunsch zu Grunde, das Optimum an Gesundheit für den vierbeinigen Gefährten zu erzielen: Umfragen zeigen, dass die Gesundheit des Hundes bei den meisten Hundehalter:innen an oberster Stelle steht Neben dem Wohlbefinden des eigenen Vierbeiners beeinflussen bei der Auswahl zunehmend Fragestellungen wie Umweltbelastung, Nachhaltigkeit und Ethik die Entscheidung – insbesondere dann, wenn diese Werte im eigenen Lebensstil bedeutsam sind. Die Mehrheit der vegan fütternden Tierhalter:innen gibt beispielsweise an, sich aus ethischen Gründen dafür entschieden zu haben. Da die ethische Überzeugung, die eigene Lebensweise umzustellen, ebenso auf das Familienmitglied Hund erweitert wird, nimmt neben dem Anteil an vegetarisch und vegan lebenden Menschenauch
die Prozentzahl an pflanzlich ernährten Hunden stetig zu. Weiterhin sorgen auch Klima- und Umweltkrise für ein steigendes Bedürfnis nach ressourcenschonenden Proteinquellen.

Doch wie ist eine rein pflanzliche Ernährung beim Hund eigentlich aus wissenschaftlicher Sicht zu beurteilen? Welche Gründe gibt es dafür, und kann sie alle notwendigen Nährstoffe liefern?

Gründe für eine vegane Hundefütterung

Mehr und mehr Menschen, auch Hundehalter: innen, entscheiden sich für eine vegane Lebensweise: Während sich im Jahr 2015 ca. 850.000 Menschen in Deutschland als Veganer:innen identifi zierten, waren es im Jahr 2021 bereits 1,41 Millionen (+76 %). Laut Umfragen zählen Ethik, Umweltschutz und Gesundheit zu den Hauptgründen. Die Auswirkungen der Tierhaltung auf die Umwelt sind mittlerweile gut messbar: Eine Studie der Universität Oxford belegen die massiven Auswirkungen landwirtschaftlicher Tierhaltung auf die Umwelt: Die Tierhaltung benötig weltweit 83 % der nutzbaren Agrarfläche und verursacht rund 60 % der globalen Treibhausgase. Gleichzeitig liefern tierische Produkte aber nur 18 % der weltweiten Kalorien und 37 % des Proteins. Diese geringe „Ausbeute“ an Rohstoffen ist mit der stetig wachsenden Weltbevölkerung und den begrenzten Anbauflächen langfristig nicht vereinbar.

Außerdem tragen die im Tierhaltungssektor verursachten Emissionen maßgeblich zur Erderwärmung bei. Diese Aspekte führen zunehmen auch bei Hundehalter:innen zu Besorgnis, denn auch die Umweltbelastung durch den eigenen Hund ist nicht zu unterschätzen, wie eine Studie aus Berlin zeigt: Ein durchschnittlicher Hund verursacht in seinem Leben ca. so viele Treibhausgase wie 13 Hin- und Rückflüge von Berlin nach Barcelona. Den größten Anteil an diesen Emissionen hat das fleischhaltige Hundefutter, da auch hier die Auswirkungen der Tierhaltung wieder zum Tragen kommen. Die Umstellung auf ein pflanzenbasiertes Futter kann die Umweltbelastung durch den eigenen Hund also deutlich reduzieren.

Neben Umwelt und Klima spielt auch die Gesundheit bei vielen Menschen eine große Rolle bei der Entscheidung für eine vegane Ernährung. Eine zunehmende Anzahl an Studien legt gesundheitliche Vorteile einer pflanzlichen Ernährung beim Menschen nahe: Bei vegan Lebenden wurde ein deutlich niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes, Übergewicht, einige maligne Tumorarten, kardiovaskuläre Erkrankungen und Osteoporose festgestellt.

Aufgrund dessen stellt sich vielen Hundehalter:innen die Frage, ob auch die Gesundheit des eigenen Hundes vom Verzicht auf tierische Produkte profitieren könnte. Ob eine pfl anzliche Ernährung beim Hund Krankheiten vorbeugen kann, ist bisher nicht untersucht. Tatsächlich können aber Hunde mit bestimmten Krankheitsbildern von einer Umstellung profitieren: Etwa 1-2 % der Hundepopulation in Deutschland leiden unter Futtermittelunverträglichkeiten , in den meisten Fällen bestehen die Allergien gegen tierisches Protein.

Da mittlerweile auch exotische tierische Eiweißquellen in Alleinfuttern und in selbstgekochten Rationen verwendet werden, fehlt für Hunde mit mehrfachen Allergien ab einem gewissen Punkt die Auswahl. Pflanzliche Proteinquellen hingegen führen statistisch gesehen selten zu Futtermittelunverträglichkeiten. Gerade bei schwerer Symptomatik wie ausgeprägtem Juckreiz oder chronischen Ohrenentzündungen schwenken daher einige Hundehalter:innen auf eine rein pflanzliche Fütterung um. Bei chronischen Magen-Darm-Erkrankungen wie der Inflammatory Bowel Disease (IBD; ähnlich Morbus Crohn beim Menschen) kann die Futtermittelkomponente ebenfalls eine Rolle spielen, weshalb auch hier die Vermeidung bestimmter Allergene, vor allem tierische Proteine, Linderung verschaffen kann. Auch Leishmaniosepatienten unter Allopurinol- Therapie werden vermehrt mit dem Wunsch nach einer veganen Ration in der Ernährungsberatung vorgestellt, da bei dieser Erkrankung die Reduktion der Purin-Aufnahme wichtig ist und pflanzliche Proteinquellen deutlich weniger Purin enthalten als tierische.

Der Wolf, der Hund und vegane Fütterung

Häufig wird der Wolf noch immer als Referenz für die Fütterung des eigenen Hundes herangezogen. Tatsächlich hat die Domestikation von über 15000 Jahren neben Sozialverhalten und Körperbau auch die Ernährungsphysiologie des Hundes nachhaltig beeinflusst: Im Vergleich zum Hund weist der Wolf beispielsweise einen deutlich höheren Bedarf an Eiweiß auf. Gleichzeitig ist der Hundekörper dazu in der Lage, mehr essenzielle Aminosäuren herzustellen als echte Carnivoren wie Wölfe oder Katzen. Während ein durchschnittliches Wolffutter etwa 62 % Protein enthält, werden für den Hund ca. 20 % empfohlen.

Historisch wurde der Haushund vor allem mit Speiseresten gefüttert, die vor allem sehr kohlenhydrathaltig waren. Dies führte dazu, dass der heutige Hund deutlich mehr und deutlich besser Stärke und andere Kohlenhydrate verdauen kann als der Wolf. Messbar ist dies anhand eines bestimmten Enzyms, der Amylase, das für die Stärkeverdaulichkeit zuständig ist. Während beim Wolf kaum Amylaseaktivität nachweisbar ist, ist diese beim Hund sehr stark. Aufgrund dessen wird der Haushund in Fachkreisen mittlerweile als Omnivore klassifiziert, ebenso wie z.B. Schweine oder Menschen. Offen ist, inwiefern dies Rückschlüsse auf eine rein pflanzliche Ernährung beim Hund zulässt. Dieser Fragestellung wurde mittlerweile auch in einigen Untersuchungen nachgegangen: Bei Hunden, die seit mindestens drei Monaten vegan ernährt wurden Blutwerte mit Hunden verglichen, die ein fleischhaltiges Alleinfutter bekamen. Im Vergleich zeigten sich auch bei langjährig vegan ernährten Hunden (max. 10 Jahre) keine Unterschiede zu den mit Fleisch ernährten Hunden. Erkrankungen des Harntraktes wie beispielsweise die Bildung von Struvitsteinen traten in der veganen Gruppe seltener auf.

Auch in der tierärztlichen Untersuchung vielen keine Unterschiede auf. Eine andere Studie befasste sich mit der Frage, welche Auswirkungen eine pflanzliche Fütterung auf Hunde mit einem erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf hat: Zwölf sibirische Huskys aus dem Rennsport wurden über einen Zeitraum von 16 Wochen entweder mit einem pflanzlichen, oder mit einem fleischhaltigen Alleinfutter gefüttert. Während 10 der 16 Wochen mussten alle Hunde gleichermaßen Sprintrennen absolvieren. Zu verschiedenen Zeitpunkten wurden Blutproben entnommen und tierärztliche Untersuchungen durchgeführt. Alle Hunde, unabhängig von der Fütterung, wiesen über den gesamten Zeitraum einen ausgezeichneten Gesundheitsstatus und Blutparameter im Normalbereich auf. Da Blutuntersuchungen nur sehr eingeschränkt Rückschlüsse auf die Versorgung mit Nährstoffen über die Ernährung zulassen, sind Daten zur Verdaulichkeit des Futters noch wichtiger.

Bei Beageln wurden die Verdaulichkeiten verschiedener Mineralien in fleischhaltigen versus pflanzenbasierten Futtern untersucht. Die Verdaulichkeiten von Phosphor, Kupfer, Mangan, Zink und Magnesium waren bei den pflanzlich ernährten Hunden signifikant höher.


In einer weiteren Studie der Universität Hannover mit Beaglen wurde eine pflanzliche Ration mit einer tierischen verglichen: die Verdaulichkeit des Proteins lag in beiden Gruppen bei jeweils 76-80 %. Bezüglich der Schmackhaftigkeit gab es in dieser Studie von Seiten der Hunde keine Vorlieben – sowohl das fleischhaltige, als auch das pflanzliche Futter wurden gleichermaßen gut angenommen.

Im Vergleich zum Hund weist der Wolf einen deutlich höheren Bedarf an Eiweiß auf. Gleichzeitig ist der Hund in der Lage, mehr essenzielle Aminosäuren herzustellen als echte Carnivoren wie Wölfe oder Katzen.

Einschätzung

Ohne Frage ist und bleibt der Hund ein Nachfahre des Wolfes und teilt mit diesem einige Merkmale. Gleichzeitig führte die Domestikation zu einer ausgeprägten Anpassung des Hundes an den Menschen. Nicht zuletzt betrifft das die Ernährung.

Erste Studien zu pflanzlicher Fütterung beim Hund legen nahe, dass bedarsfdeckende vegane Futtermittel eine klimafreundliche und ressourcenschonende Alternative darstellen können. Gesundheitlich können vor allem Hunde mit Futtermittelunverträglichkeiten davon profitieren.

Weitere Studien zu pflanzlicher Fütterung beim Hund sind wünschenswert, insbesondere über einen längeren Zeitraum. Vor allem für Tiere mit besonderen Ansprüchen wie beispielsweise Welpen und laktierende Hündinnen fehlen aktuell Daten. Insbesondere für diese Gruppen sollten vegane Rationen nur von Fachleuten mit Erfahrung kalkuliert werden. In Anbetracht der Klimakrise, des exorbitanten Anteils der landwirtschaftlichen Tierhaltung an den globalen Emissionen und der Ressourcenknappheit müssen alternative Proteinquellen auf dem eigenen Teller und im Napf an Bedeutung gewinnen.

Pflanzliche Futtermittel können daher als Chance betrachtet werden, einen Beitrag zum notwendigen Klima- und Umweltschutz zu leisten.

Weiterhin wird die Nachfrage nach tierleidfreien Alternativen wachsen. Zur objektiven Einschätzung, ob ein veganes Futtermittel als Alleinfutter geeignet ist, können Hundehalter:innen beim jeweiligen Hersteller Analysewerte zu den Nährstoffgehalten anfragen und diese mit Tierernährungsexpert:innen besprechen. Liegen keine Analysen vor oder werden verweigert, kann eine bedarfsdeckende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen nicht beurteilt werden. Somit ist das Futtermittel dann nicht empfehlenswert.

Dies gilt für Hersteller veganer Alleinfuttermittel gleichermaßen wie für Hersteller fleischhaltiger Produkte, denn anhand der Verpackung ist dies leider nicht beurteilbar. Mittlerweile finden sich auf dem deutsch-europäischen Markt neben fleischhaltigen Marken auch vegane Mitbewerber, die ebensolche Analysen zur Verfügung stellen und bedarsfdeckende Alleinfutter anbieten. Bei hausgekochten Rationen, egal ob diese fleischhaltig oder pflanzlich sind, ist stets eine professionelle Berechnung notwendig. Andernfalls drohen chronische Über- oder Unterversorgungen. In Zusammenarbeit mit einem/einer auf Tierernährung spezialisierten Tierärzt:in kann eine bedarfsdeckende Ration aber auch vegan gut umgesetzt werden.

Ein Artikel von Carla Steffen, Tierärztin/Veterinarian

Aufreger der Woche

Aufreger der Woche

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
18.07.2023

Pharmafirma Dr. Willmar Schwabe testet Lavendelöl in grausamem Tierversuch

„Verzweiflungstest“ an Ratten, um antidepressive Wirkung zu zeigen

Das Karlsruher Familienunternehmen für pflanzliche Arzneimittel Dr. Willmar Schwabe lässt Ratten bis zur Verzweiflung schwimmen, um dem Lavendelölwirkstoff Silexan eine antidepressive Wirkung zu bescheinigen. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche hat diesen Skandal aufgedeckt und die Firma aufgefordert, sämtliche Tierversuche sofort einzustellen.

Das Erkältungsmittel Umckaloabo, Gingko-Extrakt Tebonin oder das Mittel gegen innere Unruhe und Schlafstörungen Lasea – das Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe ist bekannt für seine pflanzlichen Arzneimittel. Ärzte gegen Tierversuche hat nun aufgedeckt, dass das Familienunternehmen offensichtlich routinemäßig Tierversuche durchführt, darunter den besonders umstrittenen „forcierten Schwimmtest“, auch „Verzweiflungstest“ genannt.

Dabei müssen Ratten in einem Wasserglas so lange schwimmen, bis sie aufgeben und sich treiben lassen. Ein Tier, das weniger versucht, zu entkommen, gilt als depressiv. Dann gibt man der Ratte einen Wirkstoff, der gegen Depressionen helfen soll, in diesem Fall Silexan. Schwimmt das Tier nun länger, gilt das als Beweis für die antidepressive Wirkung der Substanz.

Von der EU wird dieser Test als Tierversuch der höchst möglichen Kategorie, nämlich dem Schweregrad „schwer“ geführt. „Dieser Standard-Test ist nicht nur extrem grausam, da die Tiere in der ausweglosen Situation Panik und Todesangst erleiden, er ist auch wissenschaftlich absurd“, erklärt Dr. med. vet. Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche. Nach Aussage des Vereins kann das Treibenlassen einer Ratte keineswegs mit einer Depression des Menschen gleichgesetzt werden, die sich in zahlreichen Beschwerden äußert und eine Vielzahl von Ursachen haben kann. „In dem Tierversuch kann auch erlerntes Verhalten eine Rolle spielen, d.h., die Ratte realisiert, dass sie den Wasserbehälter nicht verlassen kann. Sie spart deshalb ihre Kräfte, indem sie sich treiben lässt“, so die Tierärztin. Eine ganze Reihe von Publikationen stellt die wissenschaftliche Aussagekraft dieses Tests seit Jahren in Frage.

Der Ärzteverein betreibt eine öffentlich zugängliche Internet-Datenbank, in der ausschnitthaft in Deutschland durchgeführte Tierversuche dokumentiert werden. Das Wissenschafts-Team des Vereins stieß bei der Recherche für die Datenbank auf einen in einer Fachzeitschrift erschienenen Artikel, der belegt, dass Dr. Willmar Schwabe das Lavendelöl Silexan, das in dem Produkt Lasea enthalten ist, in dem umstrittenen Tierversuch getestet hat. Hinzu kommt, dass aus der Publikation hervorgeht, dass Silexan in klinischen Studien bereits eine antidepressive Wirkung beim Menschen gezeigt hat. Und, dass auch der forcierte Schwimmtest bereits zu einem „antidepressiven“ Effekt bei Ratten geführt habe. Dieser Test wurde durchgeführt, obwohl der gewünschte Effekt sowohl beim Menschen als auch bei Ratten bereits gezeigt worden war.

„Auf der Webseite des Pharmaunternehmens werden Tierversuche als ՚experimentelle In-vivo-Modelle՚ verklausuliert und als Standard-Untersuchung aufgeführt“, kritisiert Tierärztin Gericke. Der Verein hat in einem Schreiben das Pharmaunternehmen aufgefordert, umgehend sämtliche Tierversuche einzustellen und ausschließlich tierversuchsfreie Testmethoden einzusetzen. „Unlängst verlautete der Pharmariese Merck, auf Tierversuche verzichten und auf humanbasierte und damit bessere Methoden setzen zu wollen. Wollen Sie das Schlusslicht der Pharmabranche sein?“, heißt es in dem Schreiben von Ärzte gegen Tierversuche an die Firma Dr. Willmar Schwabe. Eine Antwort steht zweieinhalb Wochen später immer noch aus.

Weitere Informationen
www.datenbank-tierversuche.de

Quelle
Friedland K. et al.: Neurotrophic properties of silexan, an essential oil from the flowers of lavender – preclinical evidence for antidepressant-like properties. Pharmacopsychiatry 2021; 54: 37-46

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Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Goethestraße 6-8, 51143 Köln, Tel. 02203-20222-0, Fax 02203-20222-99
info@aerzte-gegen-tierversuche.de, www.aerzte-gegen-tierversuche.de

„Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ – Unter diesem Motto setzt sich Ärzte gegen Tierversuche e. V. seit 1979 für eine tierversuchsfreie Forschung ein, die auf dem Einsatz von modernen Methoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips sowie der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten basiert. Ziel ist die Abschaffung aller Tierversuche und damit eine ethisch vertretbare, am Menschen orientierte Medizin – eine Wissenschaft, die durch moderne, tierversuchsfreie Testmethoden zu relevanten Ergebnissen gelangt.

Katze trinkt aus Wasserhahn

Tierisch heiß – Hitzetipps

Tierisch heiss – Hitzetipps

Kollbrunn, Juli 2023 Mit kleinen Kniffen Leben retten!

Die meisten unserer Heimtiere können nicht schwitzen und tragen zudem ein wärmendes Fell. Sie sind der Gefahr eines lebensbedrohlichen Hitzschlags viel eher ausgesetzt als der Mensch. Mit einigen Kniffen kann die Sommerhitze für unsere tierischen Hausgenossen erträglicher werden. Die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) hat die wichtigsten Tipps für Tierhalter zusammengestellt.

Hunde: Keine anstrengenden Fahrrad-Touren bei Hitze sowie keine langen Spaziergänge zur Mittagszeit. Nach Möglichkeit entlang des Wassers bewegen und zu frühen Morgen- und Abendstunden den kühlen Wald für die Gassirunde wählen. Vermeiden Sie das Gehen auf Asphalt, um die Pfoten Ihres Hundes zu schützen: Schon bei einer Lufttemperatur von 25°C kann sich der Boden auf 52°C erhitzen und die Pfoten ernsthaft verletzen. Für unvermeidbare Autofahrten mit dem Hund bietet es sich an, die Scheiben im Auto verdunkeln zu lassen (beim Fachmann oder selbst mit getönter Klebefolie). Den Hund aber niemals im Auto warten lassen: Das Auto heizt sich bereits ab 15 Grad innert weniger Minuten so stark auf und dass es zur Todesfalle für den Vierbeiner werden kann. Ebenso wichtig ist es, dem Hund stets genügend frisches Wasser bereitzustellen. Beim Baden in Seen und Gewässern auf Blaualgen achten. In erhöhter Konzentration können diese gesundheitsgefährdend für Mensch und Tier sein.

Katzen: Viele Katzen halten nichts vom Baden. Etwas Abkühlung kann man aber schaffen, indem man die Ohren der Katze aussen befeuchtet. Ebenso angenehm und kühlend ist das Streicheln mit angefeuchteten Händen für die Katze. Auch Katzen können bei direkter Sonneneinstrahlung Sonnenbrand bekommen, besonders anfällig dafür sind weisse Katzen. Daher ist es empfehlenswert, die Ohren und den Nasenbereich bei besonders empfindlichen Tieren mit einem unparfümierten Sunblocker (für Babys) einzucremen. Nassfutter verdirbt schnell: Die Gabe von kleineren Portionen zu frühen Morgen- oder Abendstunden ist empfehlenswert sowie das Aufstellen von zusätzlichen Wassernäpfen. Vorsicht: Gekippte Fenster sind tödliche Fallen für Katzen. Wer nicht auf gekippte Fenster verzichten möchte, sollte sich im Fachhandel spezielle Absperrgitter besorgen oder die Kippfensterspalte mit einem eingeklemmten Frotteetuch «entschärfen».

Kaninchen, Meerschweinchen und Co.: Auch für Nager sorgt das Befeuchten der Ohrenaussenseite für eine angenehme Abkühlung. Ausserdem ist es wichtig, für genügend Frischluft und Schatten im Auslauf zu sorgen. Das Kleintierheim nie direkt auf den Balkonboden setzen, da sich dieser stark erhitzt. Um Austrocknung zu vermeiden, sollen mehrere Trinkmöglichkeiten angeboten werden.

Vögel: Vögel dürfen nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden – ein Schattenplatz ist lebenswichtig. Trotz Hitze sollten Vögel nicht im Durchzug stehen, da Erkältungsgefahr droht. Für eine angenehme Erfrischung ein Bad zur Verfügung stellen, alternativ mögen viele auch eine Dusche aus der Sprühflasche.

Wir bedanken uns für die Bereitstellung der Tipps durch die

Suzy Utzinger Stiftung für Tierschutz.
Weisslingerstrasse 1
CH-8483 Kollbrunn
Fon: +41 (0)52 202 69 69
Fax: +41 (0)52 203 26 80
info@susyutzinger.ch
www.susyutzinger.ch

Beagle trinkt aus Wassernapf
Beagle trinkt aus Wassernapf
Wie erkennt man Schmerzen beim Hund - tiernaturgesund.de

Wie erkennt man Schmerzen beim Hund?

Kaltes, nasses Schmuddelwetter … manchen Hunden sieht man das Wetter direkt an. Sie laufen viel steifer und langsamer als im warmen Sommer. Der Grund, weshalb ich diesen Artikel aber überhaupt schreibe, ist die Frage vieler meiner „Rücken-Hüfte-Knie-Hunde-Patienten-Halter“: „Woran erkenne ich, ob mein Hund Schmerzen hat“?

Das ist eine sehr wichtige Frage, denn die meisten Hunde verstecken chronische Schmerzen solange, wie es ihnen möglich ist. Das bedeutet im Umkehrschluss, wenn der Hund beginnt zu humpeln, geht dem oftmals schon eine längere Schmerzphase voraus.

Eine ganze Weile kann ein Hund Schmerzen kompensieren, aber irgendwann geht das nicht mehr. Oft ist das der Zeitpunkt, an dem er schon solange in Schonhaltung gelaufen ist, dass mittlerweile auch andere Gelenke in Mitleidenschaft gezogen wurden. Häufig höre ich von den Hundehaltern: „Er will seit einiger Zeit nicht mehr so gerne raus…. ich denke das liegt am Alter.“ In vielen Fällen ist das sicher auch so. Aber genauso oft mag der Hund einfach nicht laufen, weil er Schmerzen hat. Nicht nur, aber besonders häufig, sind es die älteren Hunde. Das ist nicht anders als bei uns Menschen – mit dem Alter kommen die Zipperlein.

Allerdings können wir sagen, dass uns etwas weh tut. Unsere Hunde können das nicht und sind deshalb darauf angewiesen, dass wir die Anzeichen richtig deuten. Wenn ich dann im Gespräch erkläre, auf welche Anzeichen man achten muss, höre ich sehr oft: „Stimmt, dass macht er schon länger nicht mehr“ oder „jetzt wo Sie es sagen, fällt mir auf, dass er das immer häufiger macht“.

Damit Ihr als Hundebesitzer schon frühzeitig seht, wo sich bei eurem Hund eventuell schmerzhafte Baustellen entwickeln, müsst Ihr die ersten, kleineren Anzeichen erkennen können. Deshalb möchte ich Euch in diesem Artikel Verhaltensweisen und Anhaltspunkte, die auf Schmerzen hindeuten können, aufzeigen und kurz erklären.

Verhaltensweisen, die auf Schmerzen hindeuten können:

„Mein Hund hat keinen Spaß mehr am Spielen. Er macht nur noch kurz mit und hört dann auf.“ Solch ein Verhalten wird gerne auf das Alter des Hundes geschoben und häufig ist das auch richtig. Ein 12 Jahre alter Schäferhund hat sicher nicht mehr allzu viel Interesse
am Bällchen-Spiel. Aber oft sind es deutlich jüngere Hunde, die mir mit solchen Aussagen vorgestellt werden. Und da sollte man dann als Hundehalter aufmerksam sein und schauen, ob es weiteres Anzeichen gibt.

„Bis vor ein paar Monaten ist sie immer mit aufs Sofa gekommen. Jetzt liegt sie lieber vor dem Sofa.“
Das ist im Grunde genommen genau dasselbe. Verhaltensweisen, die mit Bewegung zusammenhängen, werden plötzlich nur eingeschränkt durchgeführt oder der Hund versucht solche Situationen ganz zu vermeiden. Und nicht selten ist es tatsächlich so, dass das erstmal die einzigen Anzeichen sind, die man zu Beginn eines solchen Prozesses sieht. Jetzt seid ihr als aufmerksame Hundehalter gefragt und müsst beobachten, ob es weitere Anzeichen gibt. Ein ganz eindeutiges Zeichen für Schmerzen ist natürlich das Humpeln bzw. Laufen auf drei Beinen. Dafür braucht man auch kein geschultes Auge, das erkennt jeder direkt. Auf die Suche nach der Ursache macht man sich dann zunächst mal  am betroffenen Bein. Von der Pfote bis hoch zur Schulter oder Hüfte. Solltet Ihr die Ursache selbst feststellen können, muss häufig trotzdem eine weiterführende Behandlung durch Tierarzt oder THP erfolgen. Ein weiterer Hinweis auf Schmerzen kann zum Beispiel das Kauen oder Lecken an den Gelenken oder Pfoten sein. Das haben sicher schon viele von Euch bei ihren Hunden gesehen. Selbst wenn man es nicht direkt beobachtet, erkennt man hinterher normalerweise die nasse Pfote oder das nasse Bein. Wenn es sich dabei um ein Gelenk handelt, was sehr wahrscheinlich ist, dann überprüft, ob es warm oder geschwollen ist. Auffällig ist auch, wenn sich Euer Hund grundsätzlich auf dieselbe Seite legt. Liegt er zum Beispiel immer auf der rechten Seite, kann das einerseits bedeuten, dass er irgendwo in der linken Seite Schmerzen hat und die Seite deshalb schont. Andererseits kann es aber auch sein, dass er auf der schmerzenden Seite liegt und den Druck als angenehm und schmerzlindernd empfindet. Durch Beobachtung findet Ihr aber sehr schnell raus, welches die Problemseite ist. Manche Hunde lehnen sich immer mal wieder mit einer Seite an die Wand, um sich abzustützen und dadurch die andere Seite zu entlasten. Auch hier würde ich einen Gang zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker empfehlen.

Sehr häufig bekomme ich auch zu hören, dass die Hunde nachts auf Wanderschaft sind. Diese nächtliche Unruhe entsteht, wie bei uns Menschen auch, zum Beispiel durch Rückenschmerzen oder Hüftprobleme. Egal wie man sich nachts im Bett dreht und wendet, nach kurzer Zeit kommen die Schmerzen wieder. Wenn es gar nicht besser wird, steht man irgendwann auf und läuft herum. Genauso geht es den Hunden auch. Wer von Euch also einen Hund hat, der nachts ständig in der Wohnung unterwegs ist oder euch nicht schlafen lässt, weil er die ganze Nacht in seinem Körbchen rumwühlt, der sollte seinen Hund unbedingt am Tag genau beobachten. Vielleicht gibt es weitere Anzeichen, die auf Schmerzen hindeuten können.

Ein weiteres, oftmals gut sichtbares Zeichen, ist der hochgezogene Rücken. Dadurch zeigen sich sowohl Schmerzen im Organbereich, als auch im Bewegungsapparat. Manchmal ist durch langandauernde Schonhaltung alles verspannt, der Hund weiß gar nicht mehr richtig wie er sich bewegen soll.

Wie könnt Ihr nun sehen, ob Euer Hund sich in einer Schonhaltung befindet?

Das ist nicht immer einfach zu erkennen. Wenn Ihr Eurem Hund nach dem Spaziergang die Pfoten sauber macht, achtet drauf, ob er sich beide Hinterbeine bereitwillig hochnehmen lässt (natürlich nacheinander ). Wenn nicht, wenn er also nur ein Bein freiwillig nach hinten gibt und ihr an dem anderen Bein deutlich mehr ziehen müsst, sollte Euch das aufmerksam machen. Das Bein, das Ihr problemlos aufnehmen könnt, ist in der Regel das geschonte Bein. Das zweite Bein gibt er Euch deshalb nicht, weil er sich angewöhnt hat, mit diesem Bein sämtliche Last aufzunehmen. Wollt Ihr Euren Eindruck überprüfen, schaut euch die bzw. vielleicht auch  nicht mehr vorhandenen Muskeln an den Oberschenkeln an. Manchmal ist mit dem bloßen Auge nicht eindeutig erkennbar, ob es durch die Schonhaltung schon zum Muskelabbau gekommen ist. Dann könnt Ihr den Umfang mit Hilfe eines einfachen Bindfadens überprüfen, mit dem Ihr an beiden Oberschenkeln jeweils an der höchsten Stelle den Umfang abmesst. Einseitiger Muskelabbau ist ein ganz deutliches Zeichen für Schonhaltung bedingt durch Schmerzen.

Natürlich kann es auch sein, dass Eure Hunde einzelne Auffälligkeiten zeigen, ohne dass ein Schmerzgeschehen dahintersteckt. Wenn sich die Anzeichen aber häufen, solltet Ihr Euren Hund auf jeden Fall diesbezüglich etwas genauer beobachten oder untersuchen lassen.

Zusätzlich sollte man immer darauf achten, ob der Hund frisst. Wer ständig Schmerzen hat, hat oftmals keinen Appetit.

Ich hoffe, ich konnte Euch einige Hilfsmittel an die Hand geben, mit denen Ihr selbst feststellen könnt, ob Euer „Rücken-Hüfte-Knie“-Hund mit seinen Einschränkungen gut zurechtkommt oder ob er Schmerzen hat. Wenn Ihr Euch nicht sicher seid, empfehle ich immer den Gang zum Tierarzt oder Tierheilpraktiker. Damit Euer Hund nicht mit Schmerzen leben muss, nur weil er sich selbst nicht helfen kann. 

Ein Artikel von Maike Sauerstein, Tierheilpraktikerin.

Der endgültige Abschied

Für die meisten Tierhalter kommt irgendwann der Tag, an dem sie ihr Tier
beim Sterben begleiten, über Leben oder Tod entscheiden müssen, oder
erfahren, dass es gestorben ist. Auf welche Art das Tier auch immer geht
– die Trauer ist da. Aber wie geht man mit ihr um?

„Hier ruhen Bella und Rosa, den 13. Februar 1868.“ Wer am Lotterberg oberhalb von Wolfershausen im hessischen Schwalm-Eder-Kreis wandert, der kann im Haldorfer Amselwald auf einen eindrucksvollen, 150 Jahre alten Grabstein stoßen. Zwei Pferdeköpfe blicken sich auf dem Sandstein an – das Grab zweier Stuten. Die Geschichte hinter dem Gedenkstein zeugt von einer anderen Zeit: Die beiden Pferde, die der Arbeit im Gespann nicht mehr gewachsen waren, sollten auf ihre alten Tage nicht mehr den Besitzer wechseln. Sie wurden erschossen und angeblich an Ort und Stelle begraben.

Heute haben wir Tierfriedhöfe, lassen aus der Asche unserer vierbeinigen Begleiter Di- amanten pressen oder aus ihrem Schweifhaar zur Erinnerung Schmuck machen. Wir haben moderne Medizin, um unsere Tiere sanft einschlafen zu lassen oder bringen sie – immer seltener zum Schlachter. Laut der TiHo Hannover werden etwa 50 Prozent aller verstorbenen Kleintiere auf Privatgrundstü- cken beerdigt – das ist, sofern es die jeweilige Gemeinde nicht verbietet, möglich, wenn das Grab mindestens 50 Zentimeter tief ist und es nicht in einem Wasserschutzgebiet sowie nicht unmittelbar an öffentlichen Wegen liegt. Etwa dreißig Prozent werden über Tierarzt/Klinik der Tierkörperverwertung zu- geführt. Nur ein Prozent wird auf Tierfriedhöfen bestattet, der Rest wird kremiert. Nichts davon sagt etwas darüber aus, wie gut das Tier es zu Lebzeiten und im Sterben hatte – aber wie ein Tier geht, beeinflusst durchaus, wie wir den Verlust erleben. Dass man weiß, wie man nach dem Tod des Tieres Erinnerungen schaffen kann, erleichtert den Abschied für viele Tierbesitzer. Doch auch wenn man nicht gedenkt, sein Tier in ein Krematorium bringen zu lassen, sollte man sich auf den endgültigen Abschied vorbereiten. Das macht es einfacher, in dem Moment, in dem es darauf ankommt, die richtigen Entscheidungen zu treffen, das Tier beim Sterben liebevoll begleiten zu können und auch seinen Tod gut verarbeiten zu können.

Erkenntnisse der Trauer- forschung

Jeder bewältigt Trauer auf seine Weise: Niemand kann im Voraus sagen, wie und wie lange oder auf welche Art er trauern und mit dem Tod des geliebten Begleiters umgehen wird. Bis vor kurzem vertraten die meisten Theorien über Trauer und Verlust die Ansicht, Trauer sei eine Art kontinuierlicher Arbeitsprozess, der lange braucht, bevor er zu einem Abschluss gelangt. Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse. Diese legen ein anderes Bild des Trauervorgangs nahe und werden vor allem diejenigen Menschen erleichtern, denen bislang vorgeworfen wurde, sie würden Phasen des Trauerns überspringen, wenn sie schnell über ihren Verlust hinwegkamen. Heute weiß man: Die meisten Menschen haben die Fähigkeit und die entsprechenden Strukturen, um Schmerz und Verlust gut zu verarbeiten. Dies wird Resilienz genannt. Der Begriff bezeichnet in der Psychologie die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie sogar für persönliche Entwicklungen zu nutzen.

Studie zu Euthanasie und Trauer

Unter dem Titel „Tod und Teufel – Vermenschlichung, Trauer um Tiere und Bedeutung für die tierärztliche Praxis“ befasste sich vor ein paar Jahren Marion Schmitt aus der Arbeitsgruppe Ethik im Institut für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover in ihrer Doktorarbeit (www.tinyurl.com/ mryy6dem) mit dem Thema, wie Tierhalter den Tod eines geliebten Tieres erleben und verarbeiten. In einer Umfrage erfasste sie, welche Erfahrungen Menschen mit dem Tod eines Haustieres, dem eventuellen Einschläfern und dem Verlust gemacht haben und erfragte, wie sie mit der Trauer umgingen.

Eines der Ergebnisse war, dass Besitzer oft mit ihrer Trauer überfordert sind – „die Ergebnisse der Halterbefragung bestätigen, dass viele sich nicht über mögliche Ausmaße des Verlusts bewusst, im Umgang damit ratlos und infolgedessen stark belastet sind.“ Allerdings zeigte sich auch, dass eine entscheidende Rolle spielt, wie der Tod des Tieres erlebt wird. „Die Todesumstände beeinflussen die Trauer“, so Schmitt. Insbesondere als traumatisch oder qualvoll empfundene, sowie überraschende Tode verursachten Schuldgefühle und dies habe einen entscheidenden Einfluss auf die Gefühlslage nach dem Tod des Tieres. Ein wichtiger Faktor ist dabei laut Studie die aktive Vorbereitung auf das Sterben. Das deckt sich mit den Erkenntnissen der allgemeinen Trauerforschung und den Erkenntnissen zur Resilienz.

Foto: © Halfpoint – IStock

Die Vorbereitung auf den Tod

Wer sich auf den Moment vorbereitet, hat also meist bessere Chancen, mit dem Verlust und der Trauer umzugehen. Man kann sich einiges im Vorfeld klar machen und sich über den Ablauf der entscheidenden Schritte informieren, um sich selber und damit auch dem Tier das Sterben zu erleichtern. Denn wenn sein menschlicher Begleiter gefasst ist und in dieser Situation ruhig bleiben kann, dann sind auch die Chancen gut, dass das Tier in dieser Energie bleiben und ruhig und in Sicherheit gehen kann.

  • Informieren Sie sich vorab über alles, was Sie möglicherweise nutzen möchten oder müssen, wie Einschläferung, Tierkörperbeseitigung, Kremierung oder Schlachtung. Bei Pferden ist es auch sinnvoll, sich über die rechtlichen Voraussetzungen, die man dazu selbst im Equidenpass lesen kann, zu informieren.
  • Sprechen Sie frühzeitig mit ihrem Tierarzt, wie er die Euthanasie handhabt. Immer mehr Tierärzte sind bereit, geplantes Einschläfern im Zuhause des Tieres durchzuführen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt, dass Sie gerne seine Unterstützung möchten und er sich frei fühlen soll, Ihnen zu sagen, wenn er den Zeitpunkt zum Einschläfern für gekommen hält.
  • Holen Sie sich gegebenenfalls eine zweite Meinung.
  • Auch die Naturheilkunde, vor allem die Homöopathie, bietet diverse Möglichkeiten, Tieren das Sterben zu erleichtern. Auch für sich selber kann man alternativ-medizinische Unterstützung suchen, etwa in Form von Bach-Blüten oder Phytotherapie, vorab oder danach.
  • Wer sich nicht zutraut, sein Tier (allein) in den letzten Stunden zu begleiten, sollte sich rechtzeitig eine geeignete Vertretung oder eine Unterstützung suchen – und sei es nur für die Autofahrt hin und zurück.
  • Wer ein schwer- oder todkrankes Tier hat, kann sich in regelmäßigen Abständen unabhängige Meinungen einholen, um den Blick auf den Gesundheitszustand nicht zu verlieren.

 

Fazit: Wer weiß, was auf ihn zukommt, ist nicht auch noch mit Entscheidungen überfordert, von denen er nicht wusste, dass er sie treffen muss und wird nicht von Ereignissen überrascht, die ihn zusätzlich aus der Bahn werfen

Der richtige Zeitpunkt

Ein Tier erlösen zu können ist eine wunderbare Möglichkeit, Leiden abkürzen zu können. „Trotzdem ist die Euthanasie nicht der unbestrittene Goldstandard eines tiergerechten oder im Trauerkontext förderlichen Tiertodes“, formuliert es auch Schmitt in ihrer Doktorarbeit. Meiner Erfahrung nach wünschen sich die meisten Tierhalter für ihr Tier einen schnellen, schmerzlosen Tod, dem möglichst keine langwierige, schmerzhafte Krankheit vorausgeht.

Dennoch sollte das Tier ein langes Leben gehabt haben, bevor es – möglichst von alleine – sanft entschläft. Wünschen darf man sich das und tatsächlich erleben viele Tierhalter dies so. Es ist immer ein großes Geschenk. Natürlich kann man auch viel dafür tun. Die wichtigste aktive Gesundheitsfürsorge besteht in guter Ernährung bei Normalgewicht und angepasster, altersgerechter Bewegung und Beschäftigung.

Auch hier gilt: Wer sich dies- bezüglich möglichst wenig vorzuwerfen hat, wird nach dem Tod des Tieres nicht von bewussten oder unbewussten Schuldgefühlen geplagt und kann den Tod als Teil des Lebens besser akzeptieren.

Ob man ein Tier erlösen muss, oder ob man es für sich sterben lassen kann, muss man von Fall zu Fall und von Tag zu Tag entscheiden. Eine gute, ver- ständnisvolle Unterstützung durch Tierärzte oder Tierheilpraktiker ist für viele Tierbesitzer dann eine große Hilfe,

Hilfe zur Selbsthilfe

Man kann aber bereits zu Lebzeiten des tierischen Begleiters einiges tun, um den Tod besser zu verkraften. Wenn das Tier älter wird und seine Kräfte nachlassen kann es das Leben und das Zusammensein mit Ihnen dennoch genießen. Das gilt auch für uns Menschen. Oft versteht man sich nun blind, wo früher auch mal diskutiert wurde. Wer immer wieder innehält, um den Moment zu genießen und auch das Schöne an jedem Lebensabschnitt oder sogar in Phasen der Krankheit erspüren kann, der wird zusätzlich zum Verlust nicht auch noch von Schuldgefühlen übermannt.

Tatsächlich deutet viel darauf hin, dass Trauer von anderen negativen Gefühlen überlagert oder verstärkt wird. So wird vielfach vom Umfeld erwartet oder signalisiert, dass die Trauer massiv ist und lange dauert: Andere Tierbesitzer meinen es sicher gut, wenn sie einen vor diesem zu erwartenden Gefühls-Overkill warnen. Dennoch kann es sich dabei auch um eine Art Erwartungshaltung handeln und natürlich kann das Ganze auch in Form einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung ablaufen. Bei der Trauer um Tiere haben viele Menschen allerdings häufig auch ein völlig anderes Problem: Eine massive Trauer um Pferd, Hund oder Katze wird – zumeist von Nicht-Tierhaltern – nicht toleriert. Schmitt formuliert das so: „Diese allgemeinen Prinzipien der Trauer treffen auf den Tod von Menschen und Tieren gleichermaßen zu – eine Wertung ist in diesem Vergleich unangebracht und unnötig.“

Ich habe die Erfahrung gemacht: Je bewusster man im Vorfeld Entscheidungen trifft und die Zeit mit dem Tier erlebt, umso leichter fällt der Abschied. Und das ist etwas, was dem Tier gefallen hätte. Denn ich bin sicher, sie wollen uns nicht traurig sehen.

Ein Artikel von Claudia Götz

Die Diplom-Journalistin ist als Sachbuchautorin und Texterin tätig und arbeitet als ganzheitliche Therapeutin vor allem für Pferde und Hunde.