Aufreger der Woche

Kein Verbot für Pelzfarmen in Europa absehbar: EU-Kommission ignoriert Willen der Bürger

Anstatt ein Verbot der Pelztierzucht und der Vermarktung von Pelz in der EU konsequent anzugehen, hat die EU-Kommission gestern entschieden, zunächst weitere Untersuchungen über Pelzfarmen durchführen zu lassen – und damit eine Entscheidung über ein mögliches Ende der Farmen bis mindestens 2026 aufgeschoben. Der Deutsche Tierschutzbund zeigt sich fassungslos: Die Kommission ignoriere damit nicht nur alle lange bekannten Argumente gegen die Pelzindustrie, sondern auch den klaren Wunsch von mindestens 1,5 Millionen Bürgern, die sich im März mit der Europäischen Bürgerinitiative (EBI) Fur Free Europe (Pelzfreies Europa) für ein Ende der grausamen Praxis von Pelztierzucht und –handel ausgesprochen hatten.

„Was es hier noch weiter zu prüfen und zu untersuchen gibt, leuchtet nicht ein – im Gegenteil: Während Zeit und Ressourcen verschwendet werden, um erneut zu belegen, was längst klar ist, müssen Millionen Füchse, Nerze, Marderhunde und andere Tiere weiter grausam leiden und sterben“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Gleichzeitig setzt die Kommission mit diesem Aufschub unser aller Gesundheit aufs Spiel: Die traurigen Bilder von Pelzfarmen während der SARS CoV-2 Pandemie wirken noch immer nach, und aktuell verbreitet sich das aviäre Influenzavirus rasant auf Fuchs, Nerz- und Marderhundfarmen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die Kommission nicht den einzig richtigen und konsequenten Schritt gegangen ist und der tierquälerischen Pelzindustrie in der EU ein Ende bereitet hat – ein Armutszeugnis!“

Leid der Tiere ausreichend dokumentiert

Derzeit gibt es in der EU noch etwa 1.000 aktive Pelzfarmen mit circa 7,7 Millionen Tieren. Obwohl die Industrie behauptet, mit hohen Tierschutz-Standards zu arbeiten, werden die schlimmen Bedingungen dort immer wieder belegt. Aktuelle Aufnahmen aus Farmen in Litauen, Finnland, Polen, Spanien, Dänemark und Lettland zeigen das Leid der Tiere in engen und kargen Käfigen, in denen verletzte und tote Tiere an der Tagesordnung sind. Erst Anfang des Jahres hatten die EU-Bürger deutlich gemacht, dass sie diese Tierqual nicht länger dulden wollen: Eine EU-Bürgerinitiative, die der Deutsche Tierschutzbund unterstützt hatte, war im März aufgrund einer Rekordzahl an Unterschriften vorzeitig beendet und eingereicht worden. In insgesamt 17 EU-Ländern – mehr als der Hälfte der Mitgliedsstaaten – sind Pelzfarmen bereits komplett oder teilweise verboten.

Pelzfarmen als Pandemie-Risikoherde

Auch führende Virologen und andere Wissenschaftler fordern längst, dass die Pelztierhaltung, insbesondere von Nerzen, beendet werden sollte – im Interesse der Pandemievorsorge. Sie warnen ausdrücklich, dass Pelzfarmen die Wahrscheinlichkeit von Pandemien deutlich erhöhen. Die Kommission verwies in ihrem Beschluss auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Bis März 2025 soll diese ein Gutachten vorlegen, das die Haltungssysteme und einhergehende Tierschutzprobleme bewertet. Unter Berücksichtigung der EFSA-Meinung will die Kommission dann eine Entscheidung treffen, ob sie ein Verbot der Pelztierzucht und Vermarktung von Pelz in der EU nach einem Übergangszeitraum für angemessen halte – oder Maßnahmen ergriffen werden können, um das Wohlergehen von Pelztieren zu gewährleisten. Die Verkündung der Entscheidung ist für März 2026 vorgesehen. Da dann bereits eine neue Kommission im Amt ist, ist fraglich, ob diese Zeitplanung überhaupt Beachtung finden wird.

(C) Pressemitteilung 8.12.2023 Deutscher Tierschutzbund e.V.

Bild zeigt einen Wolf.

Umfrage: Landbevölkerung spricht sich für Wolfsschutz aus

„Politik muss sich von Fakten, nicht Panikmache leiten lassen“ fordern Deutscher Tierschutzbund und Humane Society International/Europe zur UMK

Anlässlich der Umweltministerkonferenz (UMK), die gerade in Münster tagt, verweisen der Deutsche Tierschutzbund und die Humane Society International/Europe (HSI) auf die aktuellen Ergebnisse einer Umfrage der Eurogroup for Animals, die sich mit der Einstellung von Menschen im ländlichen Raum zu großen Beutegreifern befasst. In Deutschland befürworten Menschen in ländlichen Gebieten demnach nicht nur den Schutz der Natur im Allgemeinen, sondern auch den Schutz von Wölfen im Speziellen. Die Umfrage bezog neben Deutschland 10.000 Bewohner ländlicher Regionen aus neun weiteren EU-Staaten ein und zeigt, dass auch auf EU-Ebene eine überwältigende Mehrheit der Meinung ist, dass große Beutegreifer wie Wölfe eine grundsätzliche Daseinsberechtigung haben und streng geschützt bleiben sollten.

„Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich, dass auch nach Ansicht der Bevölkerung im ländlichen Raum nicht das Töten von Wölfen, sondern Herdenschutzmaßnahmen der Schlüssel für eine mögliche Koexistenz sind. Die politisch Verantwortlichen sind daher schlecht beraten, sich von der Panikmache des Bauern- oder des Jagdverbands leiten zu lassen“, kommentiert James Brückner, Leiter des Wildtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund.

„Die lautesten Stimmen zur Aufhebung des Schutzstatus für Wölfe kommen von Landwirtschafts- und Jagdverbänden, die sich gern auf die Interessen der ländlichen Bevölkerung berufen haben. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen jedoch, dass viele EU-Bürger, die in ländlichen Gebieten leben, den gesetzlichen Schutz für Wölfe aufrechterhalten wollen und eine friedliche Koexistenz unterstützen. Es ist wichtig, dass diese Stimmen auch in Deutschland und der EU gehört werden“, sagt Dr. Jo Swabe, Senior Director Public Affairs bei HSI/Europe.

Wolfsmanagement: Fokus muss auf Prävention liegen

Zwei von drei Befragten in Deutschland sehen die Tötung einzelner Wölfe nur dann als Option, wenn Herdenschutzmaßnahmen umgesetzt wurden und wirkungslos geblieben sind. Im Gegensatz dazu ist nur eine von zehn Personen mit dieser Vorgehensweise nicht einverstanden. Die Verbände sehen darin ein starkes Statement gegen die ständigen Forderungen nach wolfsfreien Zonen und Jagdquoten für Wölfe in Deutschland. Ein heute auf der UMK diskutierter Vorschlag von Bundesumweltministerin Steffi Lemke sieht vor, dass Wölfe, die Herdenschutzmaßnahmen überwinden, künftig schneller getötet werden können. Durch die massive Lobbyarbeit von Landwirtschafts- und Jagdverbänden hatte auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Anfang September angekündigt, dass die EU-Kommission den Schutzstatus des Wolfs bis Ende des Jahres überprüfen wolle. Der Deutsche Tierschutzbund und HSI/Europe rufen die politisch Verantwortlichen in Deutschland und der EU dazu auf, sich gegen solche Maßnahmen zu wehren, die den Schutzstatus des Wolfes und anderer großer Beutegreifer gefährden. Eine Absenkung des Schutzstatus und eine damit verbundene stärkere Eingriffsmöglichkeit in den Wolfsbestand sind weder durch wissenschaftliche Fakten abgedeckt noch zielführend im Sinne eines verbesserten Schutzes von Weidetieren. Da Wölfe in den allermeisten Fällen ungeschützte Weidetiere reißen, müsse der Fokus verstärkt auf der Prävention sowie der Kompensation von Wolfsübergriffen liegen.

Zum Hintergrund der Umfrage:

Die heute veröffentlichte Umfrage „UNDERSTANDING RURAL PERSPECTIVES – A survey on attitudes towards large carnivores in rural communities“ wurde von der Eurogroup for Animals als europäischem Tierschutz-Dachverband und weiteren Organisationen, darunter der Deutsche Tierschutzbund und die Humane Society International/Europe, in Auftrag gegeben und vom Markforschungsunternehmen Savanta durchgeführt. Bei den Befragungen im November 2023 nahmen 10.000 Einwohner ländlicher Gebiete aus zehn EU-Staaten teil: aus Deutschland, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Italien, Belgien, Polen, Dänemark, Schweden und Rumänien. 

Die Ergebnisse für Deutschland zeigen, dass ein Großteil der ländlichen Bevölkerung (78 %) den Schutz der Umwelt für künftige Generationen für wichtig hält. Sogar 80 % halten Natur- und Artenschutz insgesamt für wichtig bzw. sehr wichtig. Viele Landbewohner befürworten den Schutz von Wölfen und anderen großen Beutegreifern: 70 % geben an, dass diese weiterhin streng geschützt werden sollten und über zwei Drittel (67 %) gestehen Wölfen und anderen großen Beutegreifern eine grundsätzliche Daseinsberechtigung zu.

Die Umfrage zeigt auch, dass die Umsetzung von Herdenschutzschutzmaßnahmen als zentrales Instrument angesehen wird, um Weidetiere vor Wölfen zu schützen (75 %). Mehr als zwei Drittel (68 %) sind der Meinung, dass die öffentliche Hand solche Maßnahmen finanzieren sollte.

Die ganze Umfrage findet sich hier zum Download.

Quellen: Pressemeldumg Deutscher Tierschutzbund e.V. Ursprungsfoto WikiImages/pixabay.com

Gastritis bei Tieren

Ein Wort, das sich schon unangenehm anhört, oder? Was versteckt sich dahinter? Als Gastritis bezeichnet man eine Entzündung der Magenschleimhaut.

Eine Magenschleimhautentzündung ist eine Erkrankung, an der nicht nur Menschen, sondern auch sehr häufig Hunde oder Katzen leiden. Die Symptome einer Gastritis sind vielfältig aber leider auch sehr unspezifisch. Das heißt, sie passen zunächst auch in viele andere Krankheitsbilder. Wenn man sich aber etwas näher damit befasst, dann lässt sich einiges ausschließen, so dass am Ende nur noch die Diagnose „Gastritis“ übrigbleibt.
Bei einer Gastritis produzieren die Magenzellen mehr Magensäure als benötigt wird. Hierdurch kann es zu Schädigungen am Gewebe kommen. Normalerweise wird die empfindliche Magenschleimhaut vor der aggressiven Säure geschützt ist, weil von weiteren Magenzellen ein Schleim abgegeben wird, der sich wie ein Schutzfilm über die Magenschleimhaut legt. So kann das Futter im Magen verdaut werden, ohne dass der Magen dabei selbst von der aggressiven Magensäure angegriffen wird.
Wenn sich zu viel Magensäure im Magen befindet, die eigentlich arbeitslos ist, kann das zum Problem werden. Denn, wenn kein Futter zum Verdauen da ist, beginnt die Magensäure, das anzugreifen, was sie vorfindet. Als erstes hat darunter die empfindliche Magenschleimhaut zu leiden. Es kommt zunächst zu oberflächlichen Entzündungen. Je nach Auslöser und Dauer der Erkrankung kann es im Laufe der Zeit aber auch zu tieferen Entzündungen kommen. Im schlimmsten Fall können Magengeschwüre oder Magenkrebs entstehen. Zu solch schwerwiegenden Folgen kommt es dann, wenn die Symptome und Probleme über lange Zeit unbeachtet bleiben.
Warum es überhaupt zu einer Überproduktion von Magensäure kommt, kann leider nicht in jedem Fall geklärt werden. Es gibt aber einige Hauptverursacher dieser Erkrankung, auf die ich noch näher eingehen werde.
Wie bei den Menschen unterscheiden wir bei unseren Haustieren auch zwei Formen: die akute und die chronische Gastritis.

Woran erkenne ich eine akute Gastritis?

Die Symptome sind tatsächlich sehr unspezifisch und werden häufig zu Beginn falsch eingeordnet:

• Appetitlosigkeit
• Übelkeit
• Erbrechen
• Gras fressen
• Schmatzen, Schlecken, Gähnen
• Matt, schläft viel
• Schmerzen im Bauchraum

Erkennst du deinen Hund/deine Katze in einigen dieser Symptome wieder? Und hast du vielleicht auch schon länger das Gefühl, dass es deinem Tier nicht gut geht? Dann solltest Du auf jeden Fall eine/n Tierheilpraktiker*in oder Tierarzt*in aufsuchen. Denn eine Gastritis kann eine sehr schmerzhafte Angelegenheit sein.
Gerade bei Katzen sind die unspezifischen Symptome oft sehr schwer zu erkennen. Dagegen kannst du Schmerzen im Bauchraum bei deiner Katze gut erkennen, wenn du sie hochhebst. Sie zeigen bei Schmerzen oft sehr deutliches Abwehrverhalten.
Grundsätzlich kann man sagen, eine leichte Gastritis lässt sich kaum erkennen.
Die Hauptauslöser sind bei Hunden und Katzen ähnlich wie bei Menschen:

• falsche Ernährung
• Dauerhafter Stress
• Medikamente

Gastritis bei Tieren - tiernaturgesund.de

Wann ist ein Futter „falsch“?

Dann, wenn es von deinem Tier nicht vertragen wird. Das bedeutet aber nicht, dass es von keinem Hund/keiner Katze vertragen wird. Es ist gut möglich, dass der Hund deiner Nachbarn wunderbar mit dem Futter zurechtkommt. Aber für dein Tier ist es nicht das richtige Futter.
Ein Problem kann zum Beispiel ein hoher Anteil von schwerverdaulichen Proteinen im Futter sein. Gerade Hunde oder Katzen, die sich schon mit leichten Verdauungsstörungen herumplagen, haben hiermit häufig zu kämpfen. Schwerverdaulich sind zum Beispiel stark bindegewebshaltige Nahrungsbestandteile wie Lunge, Euter oder Pansen. Hier muss vom Magen sehr viel Magensäure produziert werden, um die schwerverdaulichen Proteine aufzuschließen. Dieser Vorgang dauert bei solchen Futterkomponenten lange und kann zu einer Belastungsprobe für die Magenschleimhaut werden. Genauso schwer zu verdauen sind zum Beispiel Rinderhautknochen.
Auch ein hoher Fettanteil im Futter kann unter Umständen Schwierigkeiten machen, weil die Magensäureproduktion angekurbelt wird.
Ein weiteres Problem kann die Fütterung von säurehaltigem Obst sein. Oder die häufige Zugabe von verdauungsfördernden Zusätzen, deren Aufgabe es ist, die Magensäureproduktion anzuregen.
Manchmal werden die Magenprobleme auch durch Nahrungsergänzungen verstärkt.
Leider ist es oft aber so, dass wir gar nicht wissen, wodurch die Probleme unseres Hundes ausgelöst werden. Deshalb ist es bei einer Magenschleimhautentzündung wichtig, die Fütterung so zusammenzustellen, dass sie die Verdauung nicht belastet:

• Leichtverdauliche Proteine (hoher Anteil von Muskelfleisch)
• Fettgehalt anpassen
• Säurehaltiges Obst vorübergehend ausschließen
• Eventuelle Zusätze auf magensäureanregende Inhaltsstoffe überprüfen
• Rohes Futter eventuell (vorübergehend) kochen

Wenn du dir nicht sicher bist, hol dir fachkundige Hilfe – am besten von Ernährungsberater*innen, die sich mit Erkrankungen und daran angepasste Fütterungen auskennen. Gerade wenn du Fertigfutter fütterst, ist es oft schwierig, die Inhaltstoffe genau zu durchschauen.
Ein weiterer, sehr häufiger Gastritis-Auslöser, ist dauerhafter Stress. Auch unseren Hunden und Katzen kann Stress auf den Magen schlagen.
Wenn der Organismus unter Stress gerät, werden Adrenalin und Cortisol freigesetzt. Diese beiden Stresshormone sorgen dafür, dass der Körper in „Alarmbereitschaft“ versetzt wird.
Ein Vorgang, der bei Menschen und Hunden gleich abläuft.
Damit im Organismus genügend Energie für diesen Spannungszustand vorhanden ist, wird sie an anderer Stelle abgezogen. Zum Beispiel bei der Verdauung, die in solchen Stressmomenten ja auch nicht benötigt wird.
Der Magen arbeitet deshalb bei Stress langsamer und der Nahrungsbrei bleibt länger im Magen liegen. Es gibt also wieder Magensäure, die nicht wirklich gebraucht wird. Wenn das ein Dauerzustand ist, kann die Magenschleimhaut dadurch sehr geschädigt werden.
Wann entsteht Stress? Das ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Aber vielleicht erkennst du bei der folgenden Auflistung einen oder mehrere Punkte, bei denen dein Hund oder deine Katze mit Magenproblemen reagiert:

• Wenn dein Hund in seinem Rudel immer um seine Position kämpfen muss. Das gilt nicht nur für Hunde oder Katzen, die ihre Chefstellung behaupten müssen. Sondern auch für die, die an unterster Stelle in der Rangordnung stehen und damit ein Problem haben.
• Wenn dein Hund im Hundesport ständig Leistung bringen will und sich nur schwer zurücknehmen kann. Auch Spaß kann Stress auslösen.
• Wenn dein Hund oder deine Katze häufig allein bleiben muss und darunter sehr leidet.
• Wenn dein Tier aus dem Tierschutz kommt und nur schwer mit den Veränderungen umgehen kann.
• Wenn sich in deiner häuslichen oder familiären Situation Veränderungen ergeben

Der dritte, häufige Auslöser von Magenschleimhauterkrankungen sind Medikamente. Allen voran die Schmerzmittel. Eine kurzzeitige Anwendung bringt normalerweise keine Probleme mit sich. Dauergaben können aber dazu führen, dass die Magenschleimhaut geschädigt wird. Damit das nicht passiert, werden zeitgleich weitere Medikamente als „Magenschutz“ eingesetzt. Aber auch deren Einsatz funktioniert häufig nicht problemlos. Sie verhindern entweder direkt die Bildung der Magensäure oder sie puffern die Wirkung der vorhandenen Magensäure ab. Beides beeinträchtigt die Verdauungsleistung auf Dauer erheblich und zieht damit wieder andere Probleme nach sich.

Wie unterscheidet sich eine akute Gastritis von einer chronischen Gastritis?

Die akute Gastritis tritt sehr plötzlich auf und meistens kann man auch einen Auslöser erkennen. Häufig ist sie auch begleitet von Schmerzen. Die chronische Gastritis zeigt sich in den meisten Fällen durch immer wiederkehrendes Erbrechen und Appetitlosigkeit bis hin zur Gewichtsabnahme. Zwischen diesen Phasen gibt es aber auch unauffällige Zeiten, in denen die Erkrankung nicht wirklich sichtbar ist. Das macht das Einschätzen so schwierig. Andauernder Stress ist häufig die Eintrittskarte in eine chronische Gastritis. Gerade weil es uns oft schwerfällt, Stress bei unseren Hunden zu erkennen. Und selbst wenn wir die Ursache im Stress vermuten, kann man Stress oft nicht einfach abstellen.
Deutlich leichter ist es, wenn die Fütterung geändert werden muss. Bei Katzen ist das zwar eine sehr heikle Angelegenheit, aber auch da gibt es Mittel und Wege, um zum Ziel zu kommen.
Kurzfristige Hilfe bringen zum Beispiel Ulmenrindenpulver (Slippery elm bark) oder Heilerde, die die angegriffene Magenschleimhaut schützen.

Gleichzeitig sollte trotzdem nach der Ursache gesucht werden, denn eine Gastritis kann auch die Folge einer Erkrankung sein. Sowohl eine entzündete Bauchspeicheldrüse als auch eine Lebererkrankung kann den Magen in Mitleidenschaft ziehen. Auch der berühmt-berüchtigte Helicobacter kann eine Magenschleimhautentzündung verursachen. Um diese Erkrankungen sicher zu diagnostizieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Angefangen beim klassischen Blutbild über die Kotuntersuchung bis hin zum Darmflorascreen. Welche Untersuchungen notwendig und sinnvoll sind, muss im Einzelfall entschieden werden.

Fazit

Eine Magenschleimhautentzündung kann akut und einmalig auftreten, aber auch einen immer wiederkehrenden, chronischen Verlauf haben. Wichtig ist in beiden Fällen, das Erkennen und Abstellen der auslösenden Faktoren.
Auch wenn sich die Auslöser nicht ohne weiteres beeinflussen lassen, versuche trotzdem alles, was in deiner Hand liegt, so weit wie möglich zu optimieren. Denn je mehr auslösende Faktoren zusammenkommen, umso schlimmer ist es für deinen Hund/deine Katze.
Selbst wenn du zum Beispiel bestimmte Stressfaktoren nicht abstellen kannst, wirst du den Gesundheitszustand deines Tieres durch eine angepasste Fütterung trotzdem deutlich verbessern und stabilisieren. Vielleicht hilft es dir auch, wenn du eine Zeit lang ein Futtertagebuch führst. Notiere dir täglich, was dein Hund zu fressen bekommt (Futter und Leckerli) und wie und wann er Anzeichen einer Gastritis zeigt. Wenn du vermutest, dass Stress auch eine Rolle spielt, dann versuche auch eventuelle Stressmomente festzuhalten. So eine Aufzeichnung ist eine große Hilfe sowohl bei der Suche nach den Auslösern als auch bei der Zusammenstellung von verträglichen Futterkomponenten.

Ein Artikel von Maike Sauerstein, Tierheilpraktikerin
Jahrgang 1965
Seit 2012 selbständig als Tierheilpraktikerin Schwerpunkte:
Homöopathie, Akupunktur,
Ernährungsberatung für Hunde und Katzen
Ich lebe seit 14 Jahren mit meiner Familie in der schönen Nordpfalz, auf einem alten Drei-Seit-Hof. Mit uns leben hier unserer Schwedischen Blumenhühner, zwei Gänse, zwei Laufententen und eine alte Katzendame

Schlafen für die Gesundheit

Winter ist die Zeit, in der unsere Tiere mehr schlafen. Das ist normal, schließlich sind auch die Tage kürzer. Doch wie viel Schlaf brauchen Hund, Katze oder Pferd eigentlich? Und woran merkt man, wenn etwas nicht passt?

Die Katze hat sich auf dem Sofa zusammengerollt und steht nur auf, wenn sie Hunger hat, ins Katzenklo geht oder ihre fünf Spinner-Minuten hat. Sie will weder vor die Tür, noch fordert sie wie sonst ein Jagdspiel von Ihnen. Ist das noch normal, fragen Sie sich? Ja, das ist es. Wenn sie an schönen, sonnigen Tagen weiter ins Freie will, wenn Sie, sobald die Tage länger werden auch wieder mehr Lust auf Interaktion mit Menschen oder tierischen Mitbewohnern hat, dann muss man sich erst einmal keine großen Gedanken machen.

Der heilige Schlaf der Katze

Studien zeigten: Mehr als die Hälfte der Katzen schläft zwischen 12 und 18 Stunden pro Tag. Fast die Hälfte, nämlich 40 Prozent schläft sogar länger. Sie haben, wie auch Hunde, ein so genanntes polyphasisches Schlafmuster, das bedeutet, dass sie zwischen ihren aktiveren Phasen mehrmals pro Tag ein Nickerchen machen. Die Nickerchen der Katze dauern im Durchschnitt 78 Minuten. Wie viele Nickerchen das sind, kann davon abhängen, wie viel REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) sie abbekommen.

Ähnlich wie der Mensch durchlaufen auch unsere Tiere verschiedene Schlafstadien. Bei Katzen gibt es sowohl den NREM-Schlaf (Non-Rapid Eye Movement) als auch den REM-Schlaf. Jeder Katzenhalter kennt es und auch Studien zeigten, dass Katzen oft eine Phase der Wachsamkeit und Aktivität erleben, bevor sie schläfrig werden und dann in den NREM-Schlaf fallen. Dieses letzte Hochspulen, ähnlich wie bei kleinen Kindern, die in völliger Erschöpfung noch einmal richtig aufdrehen, laut werden und herumrennen, ist oft schon ein Zeichen für Müdigkeit. Katzen können dann auch aggressiv werden. Es kann helfen, ihnen zu signalisieren, dass sie sich zur Ruhe begeben können oder ihnen einen Raum zu öffnen, in dem sie schnell in den Schlaf finden.

Während dieser NREM-Phase schläft die Katze in der Regel nicht sehr tief und ist jederzeit bereit, aufzuwachen. Wird sie nach dem NREM-Schlaf wieder wach, durchläuft sie den Zyklus von Wachheit, Schläfrigkeit und NREM-Schlaf oft einige Male, bis sie irgendwann vom NREM- in den REM-Schlaf übergeht. Während des REM-Schlafs bewegen sich – auch bei Hund, Pferd oder Mensch – oft die Augen hinter den geschlossenen Augenlidern.

Bei Katzen können sich die Augen sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Jeder Katzenhalter hat seine Katze schon einmal im REM-Schlaf erlebt. Das Träumen zeigt sich dann auch in zuckenden Pfötchen oder einem Peitschen des Schwanzes und auch Töne wie ein Fauchen oder Zischen können zu hören sein. Man sollte die Tiere, auch die Hunde, nicht aufwecken, wenn sie deutlich erkennbar träumen. Wenn etwa der Hund im Traum knurrt, eine Bürste bekommt oder wild mit den Pfoten rudert, wird er fälschlicherweise oft aufgeweckt, weil man denkt, er hätte nun einen Albtraum. Träume sind aber höchstwahrscheinlich nicht nur für uns zur Verarbeitung von Erlebtem extrem wichtig. Außerdem wird vermutet, dass nicht nur bei uns die Traumschlafphasen an der Regeneration im Schlaf entscheidend beteiligt sind.

Unterschiede gibt es beim Schlafrhythmus von Katzen. Der ist anders als bei Menschen und bei Hunden. Zwar haben alle einen zirkadianen Rhythmus, also eine innere biologische Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus über die 24 Stunden eines Tages steuert, sie ist aber bei Katzen anders gelagert – sie sind dämmerungsaktiv.

Ihre beiden natürlichen Aktivitätsspitzen sind am frühen Morgen vor Sonnenaufgang und am Abend bei Sonnenuntergang. Da diese das Jahr über um mehrere Stunden variieren, also zu sehr unterschiedlichen Zeiten stattfinden und entsprechend auch die Zahl der Tag- und Nachtstunden sich ändert, verändert sich auch der Schlaf der Tiere, nicht nur der von Katzen.

Was den Schlaf von Katzen stört, hat häufig andere Ursachen als etwa bei Hunden oder Pferden. So kann ihre Natur als Dämmerungsjäger sie unruhig machen, wenn alle andern Bewohner noch selig schlummern. Und Katzen kommen vor allem dann nicht zum tiefen erholsamen Schlafen, wenn andere Katzen, Haustiere oder wir sie daran hindern. Ansonsten sind sie Weltmeister sowohl im Powernapping als auch im Dauerpennen.

Schlafentzug als gesundheitliche Gefahr

Obwohl Schlaf für Menschen und Tiere lebenswichtig ist, und man inzwischen auch viel darüber weiß, sind längst nicht alle Mechanismen, Funktionen und Zusammenhänge geklärt. Dass Schlaf ein Zustand der äußeren Ruhe ist, in dem sich Puls, Atemfrequenz und Blutdruck vom Wachzustand unterscheiden und sich auch die Gehirnaktivität verändert ist klar. Und schon sehr lange ist bekannt, wie gefährlich und zerstörerisch Schlafentzug ist. Nicht zuletzt ist er eine seit Jahrtausenden weltweit verbreitete Foltermethode. Ein Experiment aus dem Jahre 1894 an Hundewelpen, die permanent wach gehalten wurden, hatte zur Folge, dass die Tiere nach wenigen Tagen starben. Der komplette Schlafentzug hatte zu ausgeprägten Gehirnschäden geführt. Ähnlich grausame Experimente wurden tatsächlich 100 Jahre später erneut gemacht, als etwa italienische Forscher erwachsene Hunde durch ständiges Laufen wachhielten: Die Tiere starben nach neun bis 17 Tagen – übrigens unabhängig von der Futteraufnahme. Auch bei diesen Hunden wurden degenerative Prozesse im zentralen Nervensystem nachgewiesen.

Nicht zu schlafen ist also tödlich – wie gefährlich zu wenig Schlaf genau ist, weiß man allerdings nicht. Man weiß nur, dass viele Faktoren das Schlafbedürfnis und den Schlafbedarf mit bestimmen – auch bei Tieren: Neben der Jahreszeit und dem Alter erhöhen Krankheiten und Stress das Schlafbedürfnis. Gleichzeitig mindern sie aber oft die Möglichkeit, gut zur Ruhe zu kommen und ausreichend lange und tief zu schlafen. Auch dies gilt für unsere Tiere ebenso wie für uns selbst. Zudem beeinflussen noch weitere Biorhythmen den Schlaf: Der Aktivitätszyklus und der Nahrungsaufnahme- und Trinkrhythmus des jeweiligen Tieres haben einen Einfluss auf die Menge und die Qualität des Schlafes. Außerdem hat jeder Körper seinen individuellen Biorhythmus, der im nahelegt, wann Schlaf erwünscht, förderlich, notwendig oder unabdingbar ist – beim Menschen sind das zum Beispiel die bis spät abends aktiven Eulen und die früh am Morgen bereits fitten Lerchen.

Wie die innere Uhr tickt

Hundebesitzer merken oft sehr deutlich, wie die innere Uhr ihres vierbeinigen Partners tickt, wenn sie nicht jeden Tag zur selben Uhrzeit Gassi gehen oder in die Hundeschule können: Die biologische Uhr beeinflusst im Körper des Hundes – wie bei uns auch – den Blutdruck, die Körpertemperatur und den Hormonhaushalt. Und wie bei uns Menschen gibt es auch bei Hunden Lerchen und Eulen: Vierbeiner, die zu unterschiedlichen Tageszeiten wach und aktiv sind. Hunde haben normalerweise Aktivitätsspitzen am Vormittag und frühen Abend. Auch wenn sich Hunde unterschiedlich stark an dieses typische Muster halten, gibt es nur wenige erwachsene Hunde, die völlig von diesem normalen Zeitplan abweichen. Was auch daran liegen kann, dass sie mit uns leben und wir eben einen bestimmten zirkadianen Rhythmus – also ein übliches Wach-Schlaf-Schema – verfolgen. Denn Welpen werden nicht mit einem zirkadianen Rhythmus geboren, und es dauert Monate, bis sie das für ihre Art typische Muster entwickeln. Ihre aktiven Zeiten sind nicht so vorhersehbar wie die von erwachsenen Hunden. Hundebesitzer, die aufgrund ihrer Arbeit normalerweise sehr spät nachts ins Bett gehen und am Vormittag lange schlafen, erleben, dass ihre Hunde sich diesem zirkadianen Rhythmus meist problemlos anpassen können.

Von freilebenden Pferden weiß man, dass sie zwar ein festes Grundmuster ihrer Aktivität haben, dieses jedoch auch zügig an veränderte Umweltbedingungen anpassen. Im Frühjahr zeigen die Pferde eine reduzierte Aktivität und grasen stattdessen intensiv, um sich das im Winter verbrauchte Fett wieder anzufressen. Im Sommer verlagern die Tiere ihre Aktivitäten in die Nacht, um Insekten auszuweichen.

Fressen und Schlafen

Auch bei Hunden und Katzen bestimmen Fresszeiten maßgeblich den Schlaf-Wach-Rhythmus und das Schlafbedürfnis mit. Unsere Tiere folgen meist dem Spruch: Nach dem Essen sollst du ruh’n. Allerdings spielt hier auch eine Rolle, wie die Fütterung generell gehandhabt wird. An Pferden wird das besonders deutlich: Ein Pferd, das den ganzen Tag auf der Koppel grast, kann man nicht mit einem Pferd vergleichen, das nach dem Tag auf dem Sand-Paddock hungrig seine Hauptportion Heu verdrückt hat. Das erste Pferd kann man von der Wiese holen und reiten, ohne die alte Regel, nach dem Füttern mindestens eine oder sogar zwei Stunden mit dem Reiten zu warten. Das zweite Pferd sollte man vor dem Reiten unbedingt fressen lassen und – falls man etwas anderes vorhat als leichte Bewegung, etwa einen einstündigen Ausritt, sollte man die Pause nach dem Fressen unbedingt beachten. Einem Pferd, das man eben von der 24-Stunden-Raufe aus dem Offenstall geholt hat, etwas Fresspause beim Putzen und Satteln zu geben, reicht in der Regel aus. Umgekehrt sollte man ein Pferd, von dem man weiß, dass es vorher eine längere Fresspause hatte, erst eine halbe Stunde fressen lassen, als es mit leerem Magen zu reiten.

Bei Hunden ist es im Prinzip ähnlich: Ein voller Bauch macht müde und das macht physiologisch Sinn. Denn bei Hunden wird der Magen durch flexible Bänder in der vorgesehenen Position gehalten, was vor allem bei größeren Rassen eine Magendrehung ermöglicht, wenn sich der Hund nach dem Fressen viel und heftig bewegt. Gegen einen ruhigen Spaziergang zum Lösen spricht natürlich nichts. Wenn man den Hund zur großen Gassirunde des Tages aus einer Ruhe- oder Schlafphase holt, dann sollte man das ebenfalls langsam angehen. Indem man ihm Zeit lässt, dass der Organismus wieder „hochfährt“ kommen nicht nur Sehnen, Bänder und Gelenke wieder in – gut durchblutete, aufgewärmte – Höchstform, sondern auch der Kreislauf, was gerade bei älteren Hunden wichtig ist.

Entspannung unter Stress

Nicht nur nach dem Fressen, auch nach einer körperlichen Anstrengung kommen unsere Tiere normalerweise zur Ruhe. Allerdings nur, wenn sie sich wohlfühlen. Passt etwas nicht – kann auch die Ruhe nicht einkehren. Bei Hunden und Pferden kann das eine Überforderung beim Training ebenso sein wie Stress mit den Artgenossen oder der Haltung. Stress und der Schlaf-Wach-Rhythmus sind über den Vagusnerv gekoppelt, wie man inzwischen über zahlreiche Studien weiß. Der Vagusnerv ist wichtiger Teil des Parasympathikus. Dieser dient der Erholung und dem Aufbau. Er verlangsamt die Atmung und den Herzschlag, senkt den Blutdruck, womit er den Körper entspannt und Blut zu den inneren Organen lenkt und damit die Verdauung aktiviert. Bei Stress funktioniert dieses Zusammenspiel nicht mehr und die Tiere kommen nicht mehr zur Ruhe oder erholen sich im Schlaf nicht adäquat. Grundsätzlich unterscheidet man chronischen oder akuten Stress. Beim Hund kann chronischer Stress durch die Umwelt (Leinenzwang, Hundebegegnungen, Verkehr) ebenso entstehen wie durch den Halter (Trainingsfehler, Überforderung, Unterforderung, Einsamkeit) oder körperliche Einschränkungen (Atemwegsprobleme etwa durch Kurznasigkeit – auch oder besonders im Schlaf, Gelenkprobleme durch Überzüchtung oder Übergewicht). Eine gewisse Zeit funktioniert der Organismus auch unter Stress und mit weniger Schlaf, doch irgendwann werden die Tiere krank. Mangelnde Regeneration durch zu wenig erholsamen Schlaf ist nicht leicht zu erkennen.

Gähnen als Symptom für Müdigkeit

Der Hund, die Katze und das Pferd gähnen genau wie viele andere Tiere und auch wir. Und wie bei uns ist Gähnen ein Zeichen für Müdigkeit – aber eben nicht nur. Es kann Symptom für Verlegenheit ebenso sein wie Anzeichen für Magengeschwüre oder Leberprobleme oder ein Zeichen von Entspannung. Es kommt ganz auf den Zusammenhang an. Grundsätzlich ist Gähnen allen Säugetieren eigen. Es gibt viele Untersuchungen an verschiedenen Tierarten, geforscht wurde aber am meisten am Menschen. Mit dem Ergebnis, dass man auch bei uns immer noch nicht exakt weiß, warum und wie wir gähnen. Dennoch hat man einiges übers Gähnen bei Tieren herausgefunden: Sie öffnen den Unterkiefer, dehnen eine Vielzahl von Gesichtsmuskeln und kneifen wie wir Menschen dabei die Augen oder auch nicht. Und auch bei Tieren ist Gähnen keine schnelle und kurze Antwort auf einen einfachen Reiz und von daher kein Reflex im eigentlichen Sinn. Soweit die Ähnlichkeiten. Hunde gähnen häufig zum Beschwichtigen. Macht ein Hund dies öfter oder immer in bestimmten Momenten, sollte man sich fragen, ob er in der jeweiligen Situation Stress hat.

Um festzustellen, ob ein Tier nun durch Gähnen Stress abbaut, wach wird oder anzeigt, dass es müde oder krank ist, erfährt man, indem man den jeweiligen Kontext beachtet. Gähnt ein Pferd immer, wenn sein Weidekumpel vom Reiten zurückkommt und schiebt dabei den Unterkiefer hin und her, deutet viel auf Loslassen der inneren Spannung hin. Tritt das Gähnen auf, nachdem man einen langen, entspannten Ausritt hinter sich gebracht hat und begibt sich das Pferd nach dem Wälzen in die Sonne zum Dösen, wobei es ein- zweimal gähnt ist wohl eher kein Stress zu vermuten. Anders, wenn das Pferd beim Fressen gähnt. Bei Hunden kann stressbedingtes Gähnen beispielsweise auftreten, wenn sie erkennen, dass der Mensch geht und sie alleine bleiben müssen.
Wichtig ist nicht nur, in welcher Situation das Gähnen erfolgt, sondern auch wie oft und auf welche Art.

Bei Affen zeigten Versuche, dass ein Gähnen aus emotionaler Spannung oder zum Stressabbau mit offenen Augen erfolgt. Auch diesen Aspekt kann man bei unseren Haustieren in die Beobachtung mit einbeziehen. Es kann helfen, sich dies eine Weile zu notieren, um sich ein Bild zu machen.

Wie (tief) schläft das Tier?

Wie tief – und damit auch wie erholsam – das Tier schläft, stellt sich auch bei unseren Hunden und Katzen oft erst heraus, wenn sie wieder wach werden. Dann weiß man erstens häufig wie lange sie geschlafen haben und kann zudem über die Art des Wachwerdens Rückschlüsse ziehen. Je länger die Schlafphase und je ausgiebiger und länger das Wachwerde-Ritual aus Blinzeln, Gähnen, Strecken und Dehnen umso größer die Wahrscheinlichkeit für eine Phase mit tiefem Schlaf. Weitere Hinweise können bei Hunden und Katzen die (zumeist temperaturabhängigen) unterschiedlichen Schlafpositionen – von völlig ausgestreckter über teilweise bis zu komplett eingerollter Seit- und Bauchlage bis zur Rückenlage geben. Zwar sind diese auch sehr typabhängig aber im Rahmen der individuellen Unterschiede dennoch nützlich.

Pferde können übrigens auf drei verschiedene Arten ausruhen: Dösen, Schlummern und Tiefschlaf. Alle drei Varianten können im Stehen stattfinden. Immer wieder hört man, erwachsene Pferde würden sich zum Schlafen nicht hinlegen oder nur Fohlen schliefen in der Seitenlage. Beides ist falsch. In die Seitenlage begeben sich tatsächlich nicht alle Pferde und die, die es machen tun es auch nicht täglich. Die Seitenlage ist beim Pferd meist kurz, was auch körperliche Gründe hat. Denn das große Gewicht des Pferdes drückt am dann meisten auf die Lungen. Deswegen ändert sich hier auch die Atmung: So wird beim Ausatmen in Seitenlage die Luft quasi einen Moment angehalten, indem der Kehlkopf sich einige Sekunden verschließt. Solche Dinge können auch bei größeren und älteren Hunden Probleme machen, die sich etwa aufgrund von Arthrose nicht mehr in jeder Position schlafen legen können.

Symptome für Schlafmangel

Leider ist Schlafmangel nicht an einigen klar definierten Symptomen zu erkennen, sondern es ist dafür oft Detektivarbeit nötig. Viele Tierbesitzer kommen erst auf Schlafmangel wenn ihre Lieblinge krank werden. Das liegt unter anderem daran, dass Schlafmangel auch ein Symptom bestimmter Erkrankungen sein kann. Als Symptom kann Schlafmangel aber auch in der Ursachen-Kette verschwinden und deshalb keine Beachtung finden. Wenn etwa ein älterer Hund in seinem Körbchen nicht mehr genügend Schlaf findet, weil es dort zu kalt ist oder die Unterlage zu hart für ihn ist, wird man vielleicht aufgrund nächtlicher Unruhe an Demenz denken und die Schlafstörung als Symptom werten und nicht als die Ursache der Verwirrtheit.

Bei Pferden sind erste Folgen von zu wenig Erholung durch regenerativen Schlaf oft Stolpern oder Widersetzlichkeiten beim Reiten. Viele Pferde werden auch ängstlicher und schreckhafter. Letzteres gilt auch für Hunde und Katzen. Vielfach wird man über Verhaltensänderungen – bei Katzen beispielsweise Unsauberkeit – auf den Stress als Auslöser kommen. Katzen und besonders Hunde können auch aggressives Verhalten zeigen, wenn sie nicht mehr in für sie nötiger Weise Schlaf finden. Auch die Aufmerksamkeit in Trainingssituationen kann bei Schlafmangel leiden. Am auffälligsten ist oft, wenn früher vorhandene Probleme körperlicher oder psychischer Art plötzlich wieder auftauchen, obwohl man sie für „bereinigt“ hielt. Das können Hauterkrankungen oder Atemwegsprobleme sein, und eine abtrainierte Leinenaggression kann ebenfalls wiederkommen. Auch veränderter Appetit – mehr oder weniger – oder eine Abweichung bei der üblichen Verdauung (Kotwasser, Durchfall, Verstopfung) sowie eine verstärkte Anfälligkeit gegenüber Parasiten können auftreten.

Schlaf ist sehr individuell

Erschwerend kommt hinzu, dass Hunde und Katzen zwar bis zu 20 Stunden am Tag schlafen, es aber auch nur gut die Hälfte sein kann, ohne dass es krankhaft wäre. Es gibt hier große individuelle Unterschiede. Generell gilt: Ältere Tiere brauchen mehr Schlaf. Oft merkt man das Älterwerden als erstes daran, dass die Tiere viel mehr schlafen. Neben dem Schlafbedürfnis ändern sich im Alter häufig auch die Anforderungen von Hund und Katze an ihren Schlafplatz. Häufig wollen die Tiere mehr für sich sein. Wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, kann es sein, dass Katzen erhöhte Schlafplätze nicht mehr gut erreichen. Auch Hunden kann der Weg aufs gewohnte Sofa oder der Einstieg in ein Körbchen mit hohem Rand schwerfallen oder sogar unmöglich werden – vor allem bei kleinen Rassen. Oft taucht auch ein größeres Wärmebedürfnis auf, das die Tiere möglicherweise nicht mehr so gut zur Ruhe kommen lässt. Jeder Hund und jede Katze brauchen ein ausreichend großes Körbchen, auf dem sie weich und warm/kühl genug schlafen. Der Standort muss Sicherheit vermitteln und das Tier zur Ruhe kommen lassen. Für ältere Tiere muss das Bett gut erreichbar sein und zudem so groß, dass das Tier sich gut umdrehen und andere Schlafpositionen einnehmen kann. Es kann notwendig sein, einem älteren Tier mindestens einen zweiten Schlafplatz zur freien Auswahl anzubieten.

Bei älteren Pferden ist es wichtig, zu überprüfen, ob sie sich überhaupt noch hinlegen. Hinweise, ob und wie das Pferd liegt geben gibt in der Regel die Einstreu oder Mist in Fell und Langhaar und heute immer öfter auch moderne Stalltechnik. Was alte Pferde am Hinlegen hindert ist in der Box häufig die Angst, nicht mehr hochzukommen. Rutschende Einstreu über Beton kann diese Angst verstärken. Im Offenstall ist es oft Unruhe in der Herde, die ältere Pferde am hinteren Ende der Rangordnung nicht ausreichend erholsamen Schlaf finden lässt.

Therapieansätze und Denkanstöße

Jeder Organismus braucht ein Gleichgewicht zwischen Aktivität und Ruhe, zwischen Anregung und Erholung. Das heißt, dass auch ausreichend Bewegung und Beschäftigung für einen gesunden Schlaf wichtig sind. Wer nur noch herumliegt und nichts tut, der wird auch nicht gut schlafen. Vor allem bei Hunden, reinen Wohnungskatzen und Pferden in Boxenhaltung ist ans Alter angepasste Auslastung durch uns Menschen wichtig. Offenstallpferde und Freigänger-Katzen haben selber mehr Möglichkeiten, sich Bewegung zu verschaffen.

Ziel aller Maßnahmen, um den Tieren mehr und besseren Schlaf zu ermöglichen – egal ob (naturheilkundliche) Therapien, Umstellungen im Tagesablauf oder Verbesserungen der Umstände – sollte es sein, das Gleichgewicht für den jeweiligen Organismus und seine aktuellen Bedürfnisse an An- und Entspannung wieder herzustellen. Ob dafür ein neues oder ein weiteres Körbchen angeschafft wird, ob der Hauptspaziergang auf den Morgen verlegt oder am Alleinbleiben trainiert wird, ob Bach-Blüten, Aromatherapie, Akupunktur oder Homöopathie zum Einsatz kommen, das hängt ganz von den Ursachen und Begleitumständen ab. Bei uns Menschen haben Studien gezeigt, dass bereits ein Schlafdefizit von nur einer Stunde ausreicht, um tagsüber müde zu werden oder Fehler beim Arbeiten zu machen.

Ein Artikel von Claudia Götz

Die Diplom-Journalistin ist als Sachbuchautorin, Redakteurin und Texterin tätig und arbeitet als ganzheitliche Therapeutin (mit Matrix-Rhythmus-Therapie, Osteopathie, Akupunktur und Homöopathie) vor allem für Pferde und Hunde.

www.pferdegoetz.de
www.pferdekosmos.de

Katze trinkt aus Wasserhahn

Tierisch heiß – Hitzetipps

Tierisch heiss – Hitzetipps

Kollbrunn, Juli 2023 Mit kleinen Kniffen Leben retten!

Die meisten unserer Heimtiere können nicht schwitzen und tragen zudem ein wärmendes Fell. Sie sind der Gefahr eines lebensbedrohlichen Hitzschlags viel eher ausgesetzt als der Mensch. Mit einigen Kniffen kann die Sommerhitze für unsere tierischen Hausgenossen erträglicher werden. Die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz (SUST) hat die wichtigsten Tipps für Tierhalter zusammengestellt.

Hunde: Keine anstrengenden Fahrrad-Touren bei Hitze sowie keine langen Spaziergänge zur Mittagszeit. Nach Möglichkeit entlang des Wassers bewegen und zu frühen Morgen- und Abendstunden den kühlen Wald für die Gassirunde wählen. Vermeiden Sie das Gehen auf Asphalt, um die Pfoten Ihres Hundes zu schützen: Schon bei einer Lufttemperatur von 25°C kann sich der Boden auf 52°C erhitzen und die Pfoten ernsthaft verletzen. Für unvermeidbare Autofahrten mit dem Hund bietet es sich an, die Scheiben im Auto verdunkeln zu lassen (beim Fachmann oder selbst mit getönter Klebefolie). Den Hund aber niemals im Auto warten lassen: Das Auto heizt sich bereits ab 15 Grad innert weniger Minuten so stark auf und dass es zur Todesfalle für den Vierbeiner werden kann. Ebenso wichtig ist es, dem Hund stets genügend frisches Wasser bereitzustellen. Beim Baden in Seen und Gewässern auf Blaualgen achten. In erhöhter Konzentration können diese gesundheitsgefährdend für Mensch und Tier sein.

Katzen: Viele Katzen halten nichts vom Baden. Etwas Abkühlung kann man aber schaffen, indem man die Ohren der Katze aussen befeuchtet. Ebenso angenehm und kühlend ist das Streicheln mit angefeuchteten Händen für die Katze. Auch Katzen können bei direkter Sonneneinstrahlung Sonnenbrand bekommen, besonders anfällig dafür sind weisse Katzen. Daher ist es empfehlenswert, die Ohren und den Nasenbereich bei besonders empfindlichen Tieren mit einem unparfümierten Sunblocker (für Babys) einzucremen. Nassfutter verdirbt schnell: Die Gabe von kleineren Portionen zu frühen Morgen- oder Abendstunden ist empfehlenswert sowie das Aufstellen von zusätzlichen Wassernäpfen. Vorsicht: Gekippte Fenster sind tödliche Fallen für Katzen. Wer nicht auf gekippte Fenster verzichten möchte, sollte sich im Fachhandel spezielle Absperrgitter besorgen oder die Kippfensterspalte mit einem eingeklemmten Frotteetuch «entschärfen».

Kaninchen, Meerschweinchen und Co.: Auch für Nager sorgt das Befeuchten der Ohrenaussenseite für eine angenehme Abkühlung. Ausserdem ist es wichtig, für genügend Frischluft und Schatten im Auslauf zu sorgen. Das Kleintierheim nie direkt auf den Balkonboden setzen, da sich dieser stark erhitzt. Um Austrocknung zu vermeiden, sollen mehrere Trinkmöglichkeiten angeboten werden.

Vögel: Vögel dürfen nicht der prallen Sonne ausgesetzt werden – ein Schattenplatz ist lebenswichtig. Trotz Hitze sollten Vögel nicht im Durchzug stehen, da Erkältungsgefahr droht. Für eine angenehme Erfrischung ein Bad zur Verfügung stellen, alternativ mögen viele auch eine Dusche aus der Sprühflasche.

Wir bedanken uns für die Bereitstellung der Tipps durch die

Suzy Utzinger Stiftung für Tierschutz.
Weisslingerstrasse 1
CH-8483 Kollbrunn
Fon: +41 (0)52 202 69 69
Fax: +41 (0)52 203 26 80
info@susyutzinger.ch
www.susyutzinger.ch

Beagle trinkt aus Wassernapf
Beagle trinkt aus Wassernapf
tiernaturgesund_magazin_03_2021_mit links 1

Die neue Ausgabe von tiernaturgesund ist da! (03/21)

Die neue Ausgabe von tiernaturgesund ist ab sofort erhältlich und bietet wieder viele interessante Artikel rund um die alternative Tierheilkunde.

Unter anderem sind diesmal Artikel zu den folgenden Bereichen dabei:

  • Wie entstehen Allergien?
  • Spondylose beim Hund
  • Die Schüssler-Salze
  • Heilungshindernis Futterschüssel
  • Planzenkunde: Die Linde
  • Die heilende Wirkung von Huminsäure
  • und weitere Artikel

Die ganze Ausgabe steht auf unserer Webseite als durchklickbares PDF zur Verfügung. Viel Spaß beim Lesen!


zur Ausgabe

Sie können sich unser Magazin auch gerne bestellen (Einzelbestellung 3,50 Euro / Jahresabo (4 Ausgaben) 13 Euro).
Nehmen Sie dazu einfach unkompliziert Kontakt mit uns auf:


Kontaktaufnahme / Magazin bestellen

Die neue Ausgabe von tiernaturgesund ist da! (02/21)

Die neue Ausgabe von tiernaturgesund ist ab sofort erhältlich und bietet wieder viele interessante Artikel rund um die alternative Tierheilkunde.

Unter anderem sind diesmal Artikel zu den folgenden Bereichen dabei:

  • Antibiotika
  • Resistente Keime
  • Fütterung bei Krebs
  • Bachblüten
  • Planzenkunde: Die Birke
  • Die homöopathische Reiseapotheke
  • Schmerzen bei Katzen erkennen
  • und weitere Artikel

Die ganze Ausgabe steht auf unserer Webseite als durchklickbares PDF zur Verfügung. Viel Spaß beim Lesen!

Sie können sich unser Magazin auch gerne bestellen (Einzelbestellung 3,50 Euro / Jahresabo (4 Ausgaben) 13 Euro).
Nehmen Sie dazu einfach unkompliziert Kontakt mit uns auf:

wie finde ich einen qualifizierten tierheilpraktier_1

Wie finde ich einen qualifizierten Tierheilpraktiker?

Es gibt verschiedene Gründe, die einen Tierbesitzer einen Tierheilpraktiker aufsuchen lassen. Viele Menschen haben bei eigenen gesundheitlichen Problemen gute Erfahrungen mit Heilpraktikern gemacht. Andere suchen zusätzliche Unterstützung bei chronischen Erkrankungen ihres Tieres oder aber, im besten Fall, zur Vorbeugung. Und nicht zudem gibt es auch ganz verzweifelte Menschen, die mit der Erkrankung ihres Tieres schon viele Tierärzte aufgesucht haben und nun, ganz zuletzt, Hilfe bei einem Tierheilpraktiker suchen.

Was macht der Tierheilpraktiker (THP)?

Die Grundidee der Naturheilkunde ist es die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen und zu stärken. Es gibt verschiedene Ansätze und Möglichkeiten, die immer individuell auf das Tier abgestimmt werden. Dabei bedient sich der Tierheilpraktiker in der Regel eines oder mehrerer der drei großen Verfahren:

  • Phytotherapie / Kräuterheilkunde
  • Homöopathie
    o Klassische Homöopathie
    o Homöopathie mit Komplexmitteln
    o Schüsslersalztherapie
  • Traditionelle chinesische Medizin


Zur klassischen Naturheilkunde zählen auch die folgenden Naturheilverfahren:

  • Hydrotherapie und Balneotherapie –
    Wasseranwendungen (Wärme- und Kältetherapie, „Wasserkuren“)
  • Bewegungstherapie
  • Ernährungstherapie – Unterstützung der Behandlungen durch eine gesunde, artgerechte Nahrung und eine dem Krankheitsbild angepasste Diät
  • Ordnungstherapie – Strukturierung der äußeren und inneren Lebensordnung, um die Gesundheit von Körper, Geist und Seele auf eine positive Art zu beeinflussen.


Weitere Verfahren, die jedoch selten alleine, sondern zu weiteren Unterstützung oder bei speziellen Problemen zusätzlich angewendet werden sind:

  • Humoraltherapie: Blutegelbehandlung  und Aderlass
  • Bachblütentherapie
  • Physiotherapie, Osteotherapie und Massagen
  • Low Level Lasertherapie
  • Lichttherapie
  • Mykotherapie / Heilpilze
  • Und viele andere Verfahren
wie finde ich einen qualifizierten tierheilpraktiker_3
Ein Tierheilpraktiker sollte Verfahren kennen, um das Wohlbefinden eines Tieres erhöhen zu können.

Welche Qualifikationen braucht der THP?

Ein seriöser Tierheilpraktiker kann eine Ausbildung, die er an einer der THP Schulen absolviert hat, nachweisen. Im Unterschied zum Heilpraktiker für Menschen wird der Tierheilpraktiker im Anschluss keiner staatliche Prüfung unterzogen. Der Beruf ist kein offiziell anerkannter Ausbildungsberuf, darf aber trotzdem ausgeübt werden.

Welche Qualifikationen braucht der THP?

Geregelt werden die Tätigkeiten des THP durch verschiedene Gesetze. Das Tierschutzgesetz regelt, dass Tieren ohne vernünftigen Grund kein Leid zugefügt werden darf. Es dürfen nur Therapien angewendet werden, die das berücksichtigen. Auch sollte der THP seine Fähigkeiten richtig einschätzen und damit auch seine Grenzen erkennen. Unter bestimmten Umständen kann eine Überweisung zu einem Tierarzt nötig sein, um Schmerzen und Leiden beim Tier zu verhindern. Auch zur weiteren Diagnostik oder für eine Mitbehandlung kann der THP einen Tierarzt hinzu-ziehen. Im besten Fall arbeiten beide gemeinsam für das Wohlergehen des Tieres.

Das Arzneimittelgesetz regelt die Anwendung von Arzneimitteln auch bei Tieren. Es gibt die verschreibungspflichtigen Arzneimittel, die nur von Tierärzten angewendet werden dürfen. Weiterhin gibt es apothekenpflichtige Präparate, die von Apotheken an jeden abgegeben werden dürfen, sofern sie nicht verschreibungspflichtig sind. Dort bezieht der THP die Medikamente, die direkt an Tieren anwenden darf. Hier gibt es wiederum Einschränkungen, wenn es sich bei dem zu behandelnden Tier um Lebensmitteltiere handelt. Das betrifft zum Beispiel auch Pferde.

Eine weitere Gruppe der Heilmittel wird als frei verkäuflich bezeichnet. Diese finden sich im Drogeriemarkt ebenso wie beim Discounter. Voraussetzung für den Verkauf, auch durch den THP, ist der Nachweis über erforderliche Sachkenntnis nach § 50 AMG / Arzneimittelgesetz.

Der Auftritt des Tierheilpraktikers in der Öffentlichkeit, also auch seine Werbung wird im Heilmittelwerbegesetz geregelt. Es dürfen unter anderem keine Versprechen auf Heilung gemacht werden oder die Behandlung bestimmter, dort festgelegter Krankheiten, beworben werden. uch das Tierseuchengesetz regelt zum Beispiel, welche Krankheiten nicht durch den Tierheilpraktiker behandelt werden dürfen.

Und warum regelt der Gesetzgeber den Beruf nicht?

Berufsverbände für THP haben in mehreren Anfragen den Beruf des THP zu regeln bei der Bundesregierung nichts erreicht. Der Regierung reicht die Regelung durch die oben angegebenen Gesetze.

Wie findet man einen qualifizierten Tierheilpraktiker?

Auf der Homepage der verschiedenen Berufsverbände findet man Tierheilpraktiker, die eine Ausbildung durchlaufen und eine schriftliche und eine praktische Prüfung an einer Schule abgelegt haben. Da praktische Fähigkeiten nur durch praktischen Unterricht vermittelt werden können, sind reine Fernlehrgänge oder online Schulungen nicht zielführend.

Fast jeder THP verfügt über eine eigene Homepage. Unter dem Reiter: Vita, Ausbildung bzw. „zu meiner Person“ sollte deutlich mehr Information zu finden sein, als dass die Person mit Tieren aufgewachsen ist und Tiere liebt.

Neben der oben erwähnten Ausbildung an einer der Schulen mit Präsenzunterricht, sollten weitere spezielle Aus- und Fortbildungen in mindestens einem der drei großen Verfahren Homöopathie, TCM und Phytotherapie verzeichnet sein. Bestenfalls wurde mehr als nur ein Wochenende Zeit investiert.

Jährliche Fortbildungen, die von Berufsverbänden gefordert werden, halten den Therapeuten auf dem neuesten Stand. Werden diese als Präsenzveranstaltung gebucht, so findet zusätzlich ein wertvoller Austausch mit Kollegen statt.

Findet man den Weg zu einem Tierheilpraktiker über Mundpropaganda, so in-formiert ein Blick auf die Homepage über dessen Werdegang und Erfahrung. In einem telefonischen Vorgespräch hat man die Möglichkeit die Kompetenzen des THP in Bezug zur Erkrankung des eigenen Tieres zu hinterfragen.

Wie steht der THP zur bisherigen Medikation durch den Tierarzt? Eine pauschale Ablehnung sollte nicht erfolgen. Fragt der THP nach Befunden? Hat er Erfahrung in Behandlung der Tierart, die ihm vorgestellt werden soll? Wenn es eine Diagnose gibt, ist das Krankheitsbild bekannt? Ist ein Hausbesuch möglich oder ist der Besuch in der Praxis nötig? Welche Kosten entstehen?

Werden diese Fragen positiv beantwortet steht einem Termin nichts im Weg. Für einen ersten Termin sollte der Tierheilpraktiker sich ein bis zwei Stunden Zeit nehmen. Er wird Fragen nicht nur zur aktuellen Erkrankung des Tieres, sondern auch zu früheren Erkrankungen, zur Haltung und Ernährung und vielem mehr stellen. Diese ergeben ein Gesamtbild, dass es dem THP ermöglicht einen Therapieplan zu erstellen, den er mit dem Tierbesitzer bespricht. Dabei sollten die Ziele der Therapie ebenso erläutert werden, wie die zu erwartenden Kosten.
Dabei sollte man sich bewusst machen, dass das Ziel nicht in jedem Fall die vollständige Gesundung sein kann. In vielen Fälle ist es die Lebensqualität, die sich unter der Therapie verbessert.

wie finde ich einen qualifizierten tierheilpraktiker_2

Fazit

Ein qualifizierter Tierheilpraktiker bietet naturheilkundliche Therapien und Fähigkeiten an, die er in nachweislich in einer Schule für Tiernaturheilkunde im Präsenzuntericht erworben hat. Er wird sich Zeit nehmen für eine Anamnese, das Tier gründlich untersuchen und mit dem Tierbesitzer die weitere Vorgehensweise offen besprechen. Dabei informiert er den Tierbesitzer über alle Aspekte der Behandlung inklusive der zu erwartenden Kosten und der Zeitspanne, die er zur Behandlung für nötig erachtet.

Ein Artikel von Susanne Kristen, tiertcmaktuell.de